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Die Elektro-Gerätebau GmbH Oberderdingen – kurz E.G.O. – ist Zulieferer für zahlreiche Herd-, Spülmaschinen- und Waschmaschinenhersteller.  Deck
Die Elektro-Gerätebau GmbH Oberderdingen – kurz E.G.O. – ist Zulieferer für zahlreiche Herd-, Spülmaschinen- und Waschmaschinenhersteller. Deck
05.08.2015

E.G.O. plant Stellenabbau

Beim Oberderdinger Elek-trokonzern E.G.O. geht es heiß her. Das liegt weniger an den extremen Temperaturen als an den laufenden Verhandlungen über eine neue Standortsicherungsvereinbarung. Der bestehende Vertrag läuft zum Jahresende aus. Am Stammsitz Oberderdingen – dem Herz der weltweit agierenden E.G.O.-Gruppe mit über 5000 Mitarbeitern – sind 1800 Beschäftigte tätig.

Und die Zahlen der E.G.O. Elektro-Gerätebau GmbH sind eigentlich positiv: Im vergangenen Geschäftsjahr wurde ein Umsatzplus von 5,3 Prozent auf 566 Millionen Euro erzielt. „Wir haben unseren Plan damit um mehr als 100 Prozent übertroffen“, sagte Johannes Haupt, Vorsitzender der Geschäftsführung, kürzlich sichtlich zufrieden auf der Jahrespressekonferenz. Die Ertragskraft sei ausgesprochen gut. Auch im aktuellen Geschäftsjahr läuft es bislang rund. Dennoch hat der E.G.O.-Chef einige Sorgenfalten auf der Stirn. Der technologische Wandel – den das Unternehmen mit Investitionen von 52 Millionen Euro begleitet hat – entwickelt eine hohe Eigendynamik. „Die klassischen Rohrheizkörper kann man inzwischen überall auf dem Planeten billiger produzieren“, macht der Manager deutlich. Im Rahmen eines neuen Standortsicherungsvertrags soll dieser Kostenentwicklung Rechnung getragen werden. Im Klartext: Rund 50 Prozent der derzeit am Stammsitz Oberderdingen gefertigten Produkte kommen auf den Prüfstand, weil sie die gewünschte Umsatzrendite von mindestens fünf Prozent nicht erbringen. „Das bedeutet, dass zwischen 400 und 450 Arbeitsplätze in der Produktion gefährdet sind“, befürchtet Eberhard Schneider, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Bruchsal. „Wir wollen betriebsbedingte Kündigungen unbedingt verhindern.“ Der Gewerkschafter erwartet deshalb harte Verhandlungen, denn ganz ohne Stellenabbau wird die neue Standortsicherung wohl kaum zu haben sein. Das räumt auch die E.G.O.-Geschäftsleitung im Gespräch mit der PZ ein – ohne freilich konkrete Zahlen zu nennen. Freiwerdende Stellen würden nicht mehr besetzt, die Möglichkeit des vorzeitigen Ausscheidens älterer Mitarbeiter geprüft. Außerdem soll eine reine Produktionsgesellschaft in Oberderdingen gegründet werden, um die Kosten konkret den einzelnen Wertschöpfungsbereichen zuordnen zu können. Auch Personalstellen in der Verwaltung sollen eingespart werden.

„Wir brauchen endlich zukunftsfähige Produkte am Standort Oberderdingen“, beklagt indes IG-Metall-Chef Schneider. Das Kerngeschäft von E.G.O. ist die Produktion von Komponenten für die Hausgeräte-Industrie. Als wichtigste Wachstumsfaktoren gelten Induktionskochfelder (plus 22 Prozent) und Touch-Bedien-Displays sowie unterschiedliche elektronische Baugruppen mit jeweils 15 Prozent Zuwachs. Darüber hinaus fertigt E.G.O. Steuerungen für Herde und Backöfen, Geschirrspüler, Waschmaschinen und -trockner sowie Kühl- und Gefriergeräte. Bis Ende September wollen Geschäftsleitung, IG Metall und Betriebsrat eine Einigung über die Zukunft von E.G.O. erzielen.