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Optimistisch trotz harter Zeiten sind die Sparkassen-Vorstände (von links) Sieghardt Bucher, Stephan Scholl (Vorsitzender), Georg Stickel und Hans Neuweiler.
Optimistisch trotz harter Zeiten sind die Sparkassen-Vorstände (von links) Sieghardt Bucher, Stephan Scholl (Vorsitzender), Georg Stickel und Hans Neuweiler.
29.01.2016

EU-Regulierungswahn und Vergemeinschaftung erschweren den Bankalltag

Die regional ausgerichteten Sparkassen und Banken führen „einen Kampf gegen Windmühlen“, sagt Stephan Scholl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Pforzheim Calw. Regulierung und Anforderungen an die Institute nähmen ungebremst zu. Was dazu gedacht sei, die international agierenden Geldhäuser der Branche zu kontrollieren, um eine erneute schwere Bankenkrise zu verhindern, das habe dazu geführt, dass auch „die vernünftigen Institute“ leiden. Bürokratie und Kosten nähmen zu.

Ein Beispiel: „Wir werden bald jeden kleinen Kredit melden müssen.“Damit nicht genug: Der von deutschen Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken eingerichteten Einlagensicherung will die EU-Kommission am Zeug flicken. Die öffentlich-rechtlichen ebenso wie die genossenschaftlichen Institute haben über die übliche Verpflichtung hinweg ein ordentliches Finanzpolster aufgebaut, um für Krisenfälle gewappnet zu sein. Vorteil: Die Einlagen der Kunden sind weitgehend sicher. Scholl: „Eine Sparkasse kann quasi nicht Pleite gehen.“ Einige andere EU-Länder hätten entweder überhaupt keines dieser finanziellen Rettungspolster (etwa Italien) oder sie hätten leere Kassen.

Die EU wolle nun zwischen 2017 und 2024 die nationalen Einlagensicherungen in einem Europäischen Einlagensicherungssystem zusammenführen. Gegen diese „Vergemeinschaftung“ ihres aufgebauten Vermögens wehren sich deutsche Volks- und Raiffeisenbanken im Schulterschluss mit den Sparkassen. Dies gehe insbesondere in den bisher funktionierenden Ländern zulasten der Einleger, der Kreditinstitute und allgemein auf Kosten der Steuerzahler, erklären die Banken.

Als weiteren Punkt der aktuell schwierigen Rahmenbedingungen nennt Scholl die Tiefzinsphase: „An ihr wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern.“ Dies sei ein Problem für den Aufbau einer Altersversorgung der Menschen, aber auch für die Geldinstitute.

Nichtsdestotrotz konnte die Sparkasse Pforzheim Calw auch im abgelaufenen Jahr ihre Top-Position halten. Sie bleibt – gemessen an der Bilanzsumme (siehe Tabelle) – die Nummer eins unter den insgesamt 52 Sparkassen in Baden-Württemberg. Scholl: „Wir sind der FC Bayern der regionalen Banken.“

Ebenso belegt sie im Edelmetall-Geschäft einen Spitzenplatz: „Die Sparkasse Pforzheim Calw ist in Deutschland unter den Banken einer der größten physischen Goldhändler.“ Das Handelsvolumen betrug 2015 mehr als 13 Tonnen Gold und 86 Tonnen Silber. Zudem unterhält das Institut 2660 Goldanlagekonten für Privatanleger mit einem Guthaben von annähernd 2,5 Tonnen.