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EZB-Chef Mario Draghi hält an seinem Kurs fest.
EZB-Chef Mario Draghi hält an seinem Kurs fest.
21.10.2016

EZB macht es spannend

Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt auf Anti-Krisenkurs: Sie sieht vorerst keinen Anlass, ihre ultralockere Geldpolitik zu ändern. Der Rat habe bei seiner Sitzung nicht über einen schrittweisen Ausstieg aus den milliardenschweren Anleihekäufen diskutiert, sagte EZB-Präsident Mario Draghiam Donnerstag in Frankfurt.

Aber auch über eine Ausweitung des Programms sei nicht gesprochen worden. Klarheit dürfte die Dezember-Sitzung bringen. „Dann werden wir sagen, was wir in den nächsten Monaten tun werden.“

Im Dezember legt die EZB ihre aktuellen Konjunktur- und Inflationsprognosen vor. Sollte es notwendig werden, werde die Notenbank alle ihr zur Verfügung stehenden Instrumente einsetzen, bekräftigte Draghi. Zugleich betonte der Notenbank-Präsident: „Keiner will ein abruptes Ende der Anleihekäufe.“ Zuletzt hatten Spekulationen auf ein absehbares Ende der Geldschwemme für Unruhe bei Anlegern gesorgt.

Seit März 2015 kauft die Notenbank Staatsanleihen und andere Wertpapiere im großen Stil. Rund 80 Milliarden Euro fließen derzeit monatlich, insgesamt sollen es 1,74 Billionen Euro werden. Das Programm soll bis mindestens Ende März 2017 laufen. Seit Juni stehen auch Unternehmensanleihen auf dem Einkaufszettel.

Allerdings werden einige Papiere allmählich knapp, die die EZB nur nach selbst gesetzten Kriterien kaufen kann. Derzeit darf sie keine Anleihen erwerben, deren Zinsen unterhalb des Einlagensatzes von derzeit minus 0,4 Prozent liegen. Zudem hat sie sich auferlegt, höchstens 33 Prozent eines jeweils ausgegebenen Wertpapiers zu kaufen. Bei einer Ausweitung der Geldflut dürfte die EZB in Konflikt mit den Regeln kommen.

Die EZB beließ den Leitzins im Euroraum, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Zentralbankgeld besorgen können, erwartungsgemäß auf dem Rekordtief von null Prozent. Auch den Strafzins für Banken von 0,4 Prozent tastete sie nicht an. Banken müssen diesen zahlen, wenn sie überschüssiges Geld bei der Notenbank parken. Mit den Maßnahmen will die EZB die Konjunktur ankurbeln.