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EZB-Präsident Mario Draghi hält den Leitzins im Euroraum auf Null.  DEDERT
EZB-Präsident Mario Draghi hält den Leitzins im Euroraum auf Null. DEDERT
27.10.2017

EZB verringert Wertpapierkäufe

Die Europäische Zentralbank (EZB) vollziehe keine Kehrtwende um 180 Grad, sondern gehe beim Aussteig aus der ultralockeren Geldpolitik so vorsichtig wie möglich vor, analysiert ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski.

Was hat die EZB im Detail

entschieden?

Die Notenbank setzt die milliardenschweren Wertpapierkäufe im kommenden Jahr zwar fort, verringert das Volumen aber deutlich. Von Januar 2018 an wollen die Währungshüter monatlich Staatsanleihen und andere Wertpapiere für 30 Milliarden Euro kaufen. Bis Ende Dezember 2017 sind es monatlich noch 60 Milliarden Euro. Das Programm soll bis mindestens Ende September 2018 laufen und damit neun Monate länger als bislang geplant – veranschlagtes Volumen bis dahin: stolze 2,55 Billionen Euro. „Die Übergangsphase wird lang. Das sichert den Aufschwung ab und erleichtert allen Finanzmarktteilnehmern die Planung“, erläuterte gestern Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW-Bank.

Wann steigen die Zinsen

wieder?

EZB-Präsident Mario Draghi betont, dass die Zinsen nach dem Ende der Anleihekäufe noch lange niedrig bleiben werden. Ökonomen rechnen damit, dass eine Erhöhung womöglich bis ins Jahr 2019 auf sich warten lässt. „Sofern die Konjunktur erwartungsgemäß auf Kurs bleibt, wird EZB-Präsident Draghi die Zinswende noch selbst vollziehen, bevor er Ende Oktober 2019 aus dem Amt scheidet, und dies nicht seinem Nachfolger überlassen“, argumentiert Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Derzeit liegt der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen können, auf dem Rekordtief von null Prozent. Finanzinstitute, die Geld bei der Zentralbank parken, müssen dafür rund 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen.

Was heißt das für Sparer?

Sie werden sich zunächst weiter mit mickrigen oder gar keinen Zinsen für Tagesgeld, Sparbuch und Co. begnügen müssen. Da die Zeiten einer Inflation nahe Null seit geraumer Zeit vorbei sind, verlieren Sparer unter dem Strich Geld. In Deutschland lag die Jahresinflation mit 1,8 Prozent im September über dem EU-Schnitt von 1,5 Prozent. Manchen Sparern drohen zudem Strafzinsen auf ihre Einlagen. Nach einer Umfrage von Bundesbank und Finanzaufsicht Bafin will künftig jedes zwölfte Geldhaus Negativzinsen auf Einlagen von Privatkunden erheben. Den Instituten brechen wegen des Zinstiefs Erträge weg, darum drehen sie an der Gebührenschraube und geben teils auch Strafzinsen weiter.

Welche Folgen hat die Verrin-

gerung der Anleihenkäufe?

Für Immobilienkäufer könnte die Zeit des ultrabilligen Geldes allmählich zu Ende gehen. Die Zinsen von Hypothekendarlehen in Deutschland orientieren sich vor allem an der Verzinsung von Bundesanleihen mit zehnjähriger Laufzeit. Verringert die Notenbank ihre Wertpapierkäufe, könnten die Zinsen dieser Papiere steigen. Einen rasanten Zuwachs erwarten Ökonomen nicht.

Wem hilft die Geldflut?

Staaten im Euroraum kommen dank Geldschwemme und Nullzinsen billiger an Geld. Das hilft auch starken Volkswirtschaften wie Deutschland. Nach Berechnungen der Deutschen Bank dürfte der deutsche Staat zwischen 2008 und 2016 fast 260 Milliarden Euro an Zinsen eingespart haben.

Auch die Börse zählt weiter zu den Gewinnern der anhaltenden Nullzinspolitik: Nach den Beschlüssen der EZB baute der Dax seine Kursgewinne am Nachmittag aus und stieg erstmals in seiner Geschichte über die Marke von 13 100 Punkten – auf 13 144,65 Zähler.