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Haben die Entwicklung auf dem Edelmetall-Markt im Blick (von links): Wilfried Held, Georg Steiner und Dietmar Becker von der Fachvereinigung.
Haben die Entwicklung auf dem Edelmetall-Markt im Blick (von links): Wilfried Held, Georg Steiner und Dietmar Becker von der Fachvereinigung.
In Deutschland angebotenes Gold stammt überwiegend aus dem Recycling von Industrieabfällen und Altgold.
In Deutschland angebotenes Gold stammt überwiegend aus dem Recycling von Industrieabfällen und Altgold.
24.02.2016

„Edelmetalle sind unverzichtbar“ - Gold und Silber in der Industrie sowie als Anlageprodukte gefragt

Edelmetalle faszinieren die Menschen seit jeher und in der Goldstadt machen Unternehmen nach wie vor gute Geschäfte damit. „Als Technologie- und Funktionsmetalle sind sie für unser modernes Leben unverzichtbar“, erläutert Dietmar Becker, Mitglied des Vorstandes der Fachvereinigung Edelmetalle und Vorstand der Pforzheimer Scheideanstalt Agosi.

Das Unternehmen wurde vor 125 Jahren gegründet und beschäftigt 400 Mitarbeiter. Allerdings sei der Absatz von Gold für industrielle Anwendungen zuletzt laut Becker leicht gesunken, was auch auf der Einsparungen von kostbaren Edelmetallen in der Produktion zurückzuführen sei. Sie stecken aufgrund ihrer exzellenten Leitfähigkeit in elektrischen Schaltkreisen, kommen bei Windkraft und Fotovoltaik zum Einsatz. Weltweit fließen allein rund 270 Tonnen Gold und über 7000 Tonnen Silber in die Elektrotechnik.

Über die Hälfte der Platingruppenmetalle (Platin, Palladium, Rhodium) – fast 100 Tonnen – werden für Autoabgaskatalysatoren verwendet. Ein deutlicher Anstieg der Kfz-Neuzulassungen (plus neun Prozent) haben somit auch zu Absatzsteigerungen dieser Technologiemetalle geführt, betont Becker.

Immer mehr gefrustete Sparer und verunsicherte Anleger suchen Zuflucht im sicheren Hafen der Edelmetalle. Heute geht weltweit mehr als ein Viertel des jährlich produzierten Goldes, nämlich 1053 Tonnen, in Form von Barren und Münzen als Geldanlage über den Tisch von Goldhändlern und Banken. Allein in Deutschland waren es im Jahr 2015 rund 120 Tonnen – ein Plus von 18 Prozent. Hoch sei auch die Nachfrage nach Silbermünzen gewesen.

Die Versorgung mit Edelmetallen sei gesichert. Maßgeblichen Anteil daran habe laut Becker die bewährte Kombination aus professionellem, verantwortlichem Bergbau und ergänzendem Recycling. Das sei das Paradefeld der deutschen Scheideanstalten. Die weltweit große Nachfrage könne nur zu einem Bruchteil aus Fairtrade-Beständen gedeckt werden. Becker erklärte, dass deutsches Gold überwiegend aus dem Recycling stamme und somit verantwortungsvoll gewonnen werde. Allein in der Goldstadt würden pro Jahr rund 80 Tonnen Gold und über 1000 Tonnen Silber recycelt.

Stagnation beim Zahngold

Georg Steiner, Vorsitzender des Arbeitsausschusses Edelmetallwirtschaft und Geschäftsführer der Pforzheimer Scheideanstalt Heimerle+Meule, berichtet, dass der Absatz von Schmuckhalbzeug von Gold im Jahr 2015 nahezu unverändert geblieben sei. Der positive Trend bei Platin- und Palladiumlegierungen setzte sich fort. Steiner erwartet für 2016 eine ähnliche Entwicklung. Allerdings halte der Abwärtstrend bei edelmetallhaltigen Dentallegierungen für Zahnersatz an. Preiswerteren Nicht-Edelmetallen werde von Dentallaboren und Zahnärzten meist aus Kostengründen der Vorzug gegeben. Daran werde sich auch 2016 nichts ändern.