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Edelmetall-Experten unter sich: Dietmar Becker, Georg Steiner und Geschäftsführer Wilfried Held (von links) von der Fachvereinigung.
Edelmetall-Experten unter sich: Dietmar Becker, Georg Steiner und Geschäftsführer Wilfried Held (von links) von der Fachvereinigung.
01.03.2017

Edelmetallwirtschaft hat sich im vergangenen Jahr gut geschlagen

Millionen von Deutschen tragen Gold als Trauring am Finger. Die Einsatzmöglichkeiten für das gelbe Edelmetall sind dagegen weitaus vielseitiger: „Edelmetalle sind als Schlüsselwerkstoffe unverzichtbar für die technologische Entwicklung der Menschheit“, betonte gestern Dietmar Becker, stellvertretender Vorsitzender der Fachvereinigung Edelmetalle und Vorstand der Gold- und Silberscheideanstalt Agosi in Pforzheim.

„Bisher hat sich unsere Industrie tapfer behauptet!“ Becker sieht die deutsche Edelmetallwirtschaft in stabiler Verfassung, in einem allerdings instabilen globalen Umfeld. „Permanent schwankende, aber insgesamt leicht steigende Preise sichern dem Recycling auskömmliche Mengen“, so der Agosi-Chef. „Und es geht nichts verloren.“ An der gesamten Goldversorgung der Welt von 4525 Tonnen habe das Recycling einen Anteil von 1280 Tonnen (plus zehn Prozent). Gold, das in Deutschland, aber auch weltweit in High-Tech-Anlagen verarbeitet wird, sei zudem „konfliktfrei“: Industrie-Initiativen und klare Compliance-Regeln weltweit stellen sicher, dass Gold verantwortungsvoll gehandelt werde. In der Fachvereinigung Edelmetall mit Sitz in der Goldstadt sind bundesweit 33 Unternehmen organisiert, die mit rund 7000 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 20 Milliarden Euro erzielen. Ein verlässliches, aber nicht gerade überragendes Wachstum des Bruttoinlandsprodukts spiegelt sich in den wichtigen Abnehmerindustrien für Edelmetalle (Automobilindustrie, Elektronikindustrie, Chemie, Schmuck) wider. Der Einsatz von Edelmetallen wächst allerdings nur verhalten. Trotz seines Rufes als „sicherer Hafen“ in Zeiten politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten war das Investmentgeschäft sogar rückläufig. Barren und Münzen aus Gold verzeichneten 2016 einen Mengenrückgang von 20 Prozent.

Becker erläuterte, dass etwa die Hälfte des Goldes in dekorative Anwendungen (Schmuck, Uhren, Lifestyle) geht. In Deutschland stabil, stehe der Schmucksektor weltweit unter Druck – ausgelöst durch eine Nachfrageschwäche in China (minus 16 Prozent). Ein Drittel des Goldes geht in den Investmentbereich und 15 Prozent landen in der Industrie, deren Nachfrage weltweit 2016 um sieben Prozent zurückgegangen sei.

Das Technologiemetall Silber sieht Becker in einer guten Verfassung. 55 Prozent gehen in Industrieanwendungen wie Elektronik, Verbindungstechnik und Fotovoltaik. Weitere Technologiemetalle seien die Platingruppenmetalle (Platin, Palladium, Rhodium, Ruthenium, Osmium, Iridium), die in Autoabgaskatalysatoren (plus 40 Prozent), Brennstoffzellen oder in der Elektronik zum Einsatz kommen. Becker kritisiert, dass noch immer ein Teil des Elektronikschrotts illegal aus der EU nach Afrika oder Asien verschifft und dort ohne Rücksicht auf Menschen und Umwelt verarbeitet werde. „Wichtig wäre, dass Kontrollen durchgeführt werden, dass illegale Exporte unterbunden werden“, sagte Becker.

Wichtig sei auch, die Herkunft der Rohstoffe zu kontrollieren. Eine geplante EU-Verordnung zu diesem Thema lasse aber eine Lücke, kritisierte Wilfried Held, Geschäftsführer der Fachvereinigung. So sollen kleine Importeure bis zu 100 Kilogramm Gold pro Jahr ohne Nachweis einführen dürfen. Es müsse ausgeschlossen werden, dass Gold zum Beispiel aus dem Kongo (wie früher die „Blutdiamanten“ aus Sierra Leone) dazu diene, den dort seit Jahren andauernde Bürgerkrieg zu finanzieren.

Georg Steiner, Vorsitzender des Arbeitsausschusses Edelmetallwirtschaft und Geschäftsführer von Heimerle+Meule in Pforzheim, erläuterte, dass die Nachfrage nach Goldlegierungen 2016 erneut zurückgegangen seien. Immer weniger Patienten haben Gold im Mund – der Absatz von Edelmetall-Dentallegierungen ging zurück. „Die Bedeutung von Edelmetallen bei der Herstellung von Kronen und Brücken dürfte auch 2017 weiter abnehmen.“