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Gut aufgestellt sehen Vorstandsvorsitzender Jürgen Zachmann, Vorstand René Baum und Vorstand Ralf Günther-Schmidt (von links) die Volksbank Pforzheim. Volksbank Pforzheim 

Eigenkapital weiter gesteigert

Volksbank Pforzheim hat Trend zur Digitalisierung frühzeitig erkannt. Dividende für 2020 soll von vier auf zwei Prozent reduziert werden.

„Bleiben Sie negativ und denken Sie positiv“, sagte Volksbank-Chef Jürgen Zachmann gestern zum Abschluss der Bilanzpressekonferenz, die aufgrund der aktuellen Situation zum ersten Mal in digitaler Form stattfand. Trotz aller Herausforderungen könne das genossenschaftliche Institut erneut auf kräftige Zuwächse im Kundengeschäft im Jahr 2020 und auf eine robuste Ertragslage zurückblicken. „Das Eigenkapitalpolster konnte nochmals gestärkt werden“, betonte Ralf Günther-Schmidt. Innerhalb von zehn Jahren habe man dieses auf 280 Millionen Euro verdoppelt. Damit sieht sich die Bank für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet.

Das könne man leider nicht von allen Unternehmen in der Region behaupten, ergänzte Vorstandschef Zachmann. Viele hätten zwar schon vor der Pandemie ihre Hausaufgaben gemacht, doch einige Firmen hätten – nicht erst seit Corona – massive Probleme. Die Virus-Infektion habe in vielen Branchen wie ein Brandbeschleuniger gewirkt. Zachmann stellte klar, dass auch nach der Pandemie vieles nicht mehr so sein werde wie zuvor. „Die Menschen verändern sich, die Kunden und Anbieter ebenfalls.“ Das werde besonders bei der Digitalisierung deutlich. Darauf habe die Bank durch das neu eingerichtete Kundenberatungscenter (KBC) im VolksbankHaus frühzeitig reagiert.

„Ob persönlich, digital-persönlich oder rein digital: Wir bieten unseren Mitgliedern und Kunden Kundennähe trotz aller Kontaktbeschränkungen“, fasst Zachmann zusammen. Im KBC gingen im vergangenen Jahr 190 000 Anrufe ein – im Durchschnitt täglich 800. „Davon konnten 80 Prozent der Anfragen abschließend erledigt werden.“ Vertriebsvorstand René Baum freute sich angesichts guter Vertriebsergebnisse über die „exzellente Arbeit“ der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Auch die Mitglieder der Volksbank Pforzheim sollen wieder an den wirtschaftlichen Erfolgen beteiligt werden. Die Dividende sinke allerdings – auch auf Druck der Aufsichtsbehörden – von vier auf zwei Prozent. „Im aktuellen Marktumfeld ist dies nach wie vor eine sehr attraktive Rendite.“

Das betreute Kundenkreditvolumen der Volksbank Pforzheim legte um 9,2 Prozent auf rund 2,2 Milliarden Euro zu. „Das niedrige Zinsniveau macht im Privatkundengeschäft den Traum vom Eigenheim für viele weiterhin greifbar, und führte zu einem spürbaren Anstieg der Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen mit langer Zinsbindung.“ Im gewerblichen Bereich sorgten zahlreiche Investitionsvorhaben für große Kreditnachfrage. Insgesamt unterstützte die Volksbank Pforzheim mit neu zugesagten Krediten in Höhe von 465 Millionen Euro regionale Finanzierungsvorhaben. Bei öffentlichen Förderkrediten spielten neben Maßnahmen zur Ressourceneffizienz, Klimaschutz und nachhaltiger Bauweise die Corona-Hilfsprogramme eine große Rolle. Im abgelaufenen Geschäftsjahr haben 83 Existenzgründer beim Schritt in die Selbstständigkeit auf die Expertise der Genossenschaftsbank vertraut.

Zum Immobiliengeschäft stellte die Volksbank positive Zahlen vor. Die Immobilienfinanzierungen wuchsen im vergangenen Jahr um 11,8 Prozent. Mit einem Objektumsatz von 34,4 Millionen Euro wurde das Rekordergebnis des Vorjahres nochmals übertroffen. Insgesamt wurden 110 Immobilien über die Volksbank Pforzheim vermittelt.

Die deutliche Steigerung bei den Vermögensanlagen wertet der Vorstand als Vertrauensbeweis der Anleger. Die Summe der betreuten Kundenanlagen wuchs um insgesamt 7,4 Prozent auf nunmehr 3,54 Milliarden Euro. Die Kreditnachfrage sei zwar erfreulich hoch, gleichzeitig seien jedoch weiterhin hohe Mittelzuflüsse bei den Sichteinlagen in der Bilanz zu verzeichnen. Wie alle Banken muss auch die Volksbank schon seit Jahren für überschüssige Liquidität bei der Europäischen Zentralbank Negativzinsen bezahlen. „Deshalb werden wir bei Kunden mit nennenswerten sechsstelligen Sichteinlagen noch intensivere Gespräche führen“, kündigte Baum an. „Bei Neukunden, die jedoch nur ihr Geld bei der Volksbank parken wollen, werden wir künftig auf Beträge von über 100 000 Euro ein Verwahrentgelt von 0,5 Prozent pro Jahr erheben.“

Weitere Filialschließungen werde es nicht geben. „Wir sind und bleiben eine Regional- und Flächenbank“. Die Servicefiliale am Marktplatz ziehe an die Zerrennerstraße um und die Filiale Dillweißenstein werde modernisiert.