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Die Trendwende: Auf der Dental-Weltmesse 1974 in Hamburg konnte Rolf Förster Forestadent als Hersteller kieferorthopädischer Produkte etablieren – und damit den Strukturwandel vom Uhrenhersteller zum Dentalanbieter schaffen.  Mueller
Die Trendwende: Auf der Dental-Weltmesse 1974 in Hamburg konnte Rolf Förster Forestadent als Hersteller kieferorthopädischer Produkte etablieren – und damit den Strukturwandel vom Uhrenhersteller zum Dentalanbieter schaffen. Mueller
11.03.2016

Einer, der stets für seine Ideen kämpfte: Unternehmer Rolf Förster im Alter von 79 Jahren gestorben

Zielstrebig, kämpferisch, innovativ: Mit diesen Attributen hat sich Rolf Förster am hiesigen Wirtschaftsstandort und draußen in der Welt einen Namen gemacht. Jetzt hat die Goldstadt eine ihrer großen Unternehmerpersönlichkeiten verloren: Der langjährige Geschäftsführer der Firma Bernhard Förster, auch als Forestadent bekannt, ist diese Woche in der Nacht von Montag auf Dienstag mit 79 Jahren gestorben. Er hinterlässt Frau Helga, Tochter Anja und zwei Enkelkinder.

Försters großer Verdienst war es, die Firma, die ab 1934 Uhrenrohwerke und Armbanduhren produzierte, einem Strukturwandel zu unterziehen – und ihr damit die Existenz zu sichern. „Ohne Rolf Förster gäbe es die Firma heute nicht mehr“, sagt sein Neffe Stefan Förster, der die Geschicke des Unternehmens, das heute in der internationalen Spitze der Dentalanbieter tätig ist, in der vierten Generationen bestimmt.

1907 gründete Bernhard Förster, Rolf Försters Großvater, die Firma. In der Schmuckfabrik – damals noch an der Jahnstraße – wurden Federringe und Kettenverschlüsse für die Bijouterie-Industrie hergestellt. Ab 1934 begann man unter dem Namen Foresta mit der Produktion hochwertiger Uhrenwerke. Bis zu 500.000 Stück verließen jährlich die Goldstadt. Nach 1945 kam die Armbanduhren-Fertigung hinzu, da schon am heutigen Stammsitz an der Westlichen Karl-Friedrich-Straße 151.

Das Pforzheimer Unternehmen zählte in den 60er-Jahren zu den größten deutschen Uhrenrohwerke-Herstellern und präsentierte 1972 auf der Baseler Messe mit der „Day Date Automatic“ die erste digitale Armbanduhr, die neben der Zeit auch Datum und Wochentag anzeigte. Doch die Billigkonkurrenz aus Fernost setzte den goldenen „Foresta“-Zeiten ein Ende.

Es war Rolf Förster, der sich mit diesem Schicksal nicht abfinden wollte. Er suchte und fand mit der Dentalbranche ein neues Geschäftsfeld und machte sich an die Herkulesaufgabe, aus Foresta Forestadent zu machen. „Die Krux lag damals in der Umstellung der Maschinen auf die Fertigung von Dentalprodukten“, sagt der Ingenieur und gelernte Werkzeugmacher einst in einem PZ-Interview. Er bekam es hin – und fuhr mit dem Auto kreuz und quer durch Deutschland, um Abnehmer für seine kieferorthopädischen Produkte zu finden. Die Dental-Weltausstellung 1974 in Hamburg sollte die Trendwende für das Familienunternehmen bringen. Heute vertreibt Forestadent mit seinen 200 Mitarbeitern allein am Pforzheimer Stammsitz Dentalprodukte in über 80 Länder. Zweigniederlassungen befinden sich in Europa, Kanada und den USA.

„Ich habe von ihm gelernt, dass man für seine Ideen kämpfen und offen für Neues sein muss“, sagt Stefan Förster. Die Maxime seines Onkels war Innovation. Rolf Förster war bis zuletzt in der Firma aktiv und trieb die Entwicklung neuer Produkte voran, erzählt sein Neffe. Daneben nahm sich der Unruheständler aber auch Zeit für seine drei großen Hobbys: das Angeln, Jagen und Golfen. Förster: „Er wird uns allen hier sehr fehlen, denn wir wissen nur zu gut, was wir an ihm hatten.“