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Bei der Deutschen Bahn beginnen heute die Tarifverhandlungen. Foto: Arnold
Bei der Deutschen Bahn beginnen heute die Tarifverhandlungen. Foto: Arnold
11.10.2018

Eisenbahner wollen mehr Geld und Freizeit

Berlin. Bei der Deutschen Bahn beginnen heute wieder Tarifverhandlungen für rund 160 000 Beschäftigte. Damit verbunden ist stets die Sorge, Streiks könnten den Zugverkehr einschränken. Doch das muss nicht so kommen, wie die Tarifrunde 2016/17 gezeigt hat.

Damals einigte sich die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) ohne Streik in Verhandlungen mit der Bahn. Mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) kam ein Tarifkompromiss in einer Schlichtung zustande. Die Tarifverträge mit EVG und GDL sind zum 30. September ausgelaufen.

Zunächst einmal geht es ums Geld. Die GDL hat mit einer Forderung nach 7,5 Prozent Lohnerhöhung für eine Vertragslaufzeit von 24 Monaten vorgelegt. Die EVG schloss sich der prozentualen Forderung an, wobei sie die Laufzeit offenließ. EVG und GDL beschlossen darüber hinaus Forderungskataloge zu Zulagen, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen.

Wie erstmals in der vorigen Tarifrunde vereinbart, will es die EVG auch diesmal ihren Mitgliedern ermöglichen, statt der Lohnerhöhung eine kürzere Wochenarbeitszeit oder zusätzliche Urlaubstage zu wählen. Eine Befragung der Mitglieder habe gezeigt, „wie groß der Wunsch nach mehr selbstbestimmter Zeit ist und dass wir hier dringend entsprechende Angebote brauchen“, sagte die EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba. Die Gewerkschaft verlangt außerdem einen höheren Arbeitgeberanteil an der betrieblichen Altersvorsorge. Ferner solle die monatliche Ausbildungs- und Studienvergütung für alle Nachwuchskräfte um 150 Euro angehoben werden.

Abgesehen von der Entgelterhöhung für alle will die GDL erreichen, dass die Bahn für Nachtschichten sowie Arbeit an Sonn- und Feiertagen höhere Zulagen zahlt. Sie setzt sich außerdem dafür ein, dass eine Verkürzung der Ruhezeit zwischen zwei Schichten auf weniger als zehn Stunden nicht mehr möglich ist, keine Pausen im Zug genommen werden müssen und die Zahl der auswärtigen Übernachtungen in Hotels eingeschränkt wird.

Im Einzelnen hat sich das Unternehmen noch nicht zu den Forderungen der Gewerkschaften geäußert. Es ist aber zu erwarten, dass ihr die Lohnforderungen zu hoch sind. Die Finanzlage des Konzerns ist schwierig. Im ersten Halbjahr schrumpfte der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28 Prozent. Der Vorstand beschloss deshalb eine gezielte Ausgabensteuerung. Andererseits will die Bahn im Wettbewerb um Fachkräfte attraktiv bleiben.

Die von der EVG geforderte erweiterte Wahlmöglichkeit zwischen Lohnerhöhung, mehr Urlaubstagen oder einer kürzeren Wochenarbeitszeit stößt im Bahn-Management auf wenig Gegenliebe.