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Wohin geht es in Zukunft? Angela Merkel und Daimler-Boss Dieter Zetsche. Foto: Rumpenhorst
Wohin geht es in Zukunft? Angela Merkel und Daimler-Boss Dieter Zetsche. Foto: Rumpenhorst
15.09.2017

Elektro-Show für die Kanzlerin: Merkel und Autobosse wagen nach Dieselskandal einen Neuanfang

Frankfurt. Gerade bei Volkswagen kommt Angela Merkel dann doch noch einmal auf das leidige Thema zu sprechen. „Ist das ein Diesel?“, fragt die Bundeskanzlerin VW-Markenchef Herbert Diess, als der ihr den neuen SUV-Geländewagen T-Roc vorführt. Es ist einer. Und er verbrauche nur fünf Liter, sagt der Manager. Soll heißen: Er ist sauber. Die Szene ist eine Ausnahme beim Merkel-Rundgang auf der Automesse IAA – nach „Dieselgate“ spielt der umstrittene Antrieb in Frankfurt so gut wie keine Rolle. Die Autobosse wollen in die elektrische Zukunft schauen.

Und so gerät die Merkel-Visite zur IAA-Eröffnung am Donnerstag zur Demonstration der alternativen Antriebe. BMW zeigt sein Elektro-Coupé, VW den Elektro-Bulli, Audi die Studie Aicon, ein selbstfahrendes Auto. Merkel setzt sich ins Fahrzeug, zeigt auf das Display und meint: „Hier habe ich dann also einen Fernseher?“

Dieselgate, drohende Fahrverbote in Städten, Kartellvorwürfe – war da was? Bei der Eröffnungsfeier zeigt sich Merkel verhalten kritisch. Zehn Tage vor der Bundestagswahl ruft sie die die Autoindustrie zu Lehren aus dem Abgas-Skandal auf. Unternehmen hätten „Regelungslücken exzessiv ausgenutzt“. Es hat im Wahlkampf schon härtere Kritik von Merkel an der Schlüsselbranche gegeben.

Und so scheint es bei diesem IAA-Rundgang wie immer zu sein. Die Kanzlerin bekommt neue Modelle gezeigt, fragt nach und wünscht danach allen alles Gute.

Der neue Opel-Chef Michael Lohscheller präsentiert Merkel mit dem neuen Modell Grandland einen teilelektrischen Plug-in-Hybrid. Die Rüsselsheimer haben den Wagen mit Technik des neuen französischen Mutterkonzerns PSA auf die Reifen gestellt, bemühen sich aber weiter, als deutscher Hersteller wahrgenommen zu werden. Merkel verspricht, darauf zu achten, dass Opels deutsches Standbein erhalten bleibe.

Am Ende des Parforceritts durch die Leistungsschau zieht Merkel in der Daimler-Festhalle einen vorläufigen Schlussstrich unter die Dieselaffäre: Die Unternehmen müssten die Software-Updates so schnell wie möglich aufspielen, der mit einer Milliarde Euro gefüllte Mobilitätsfonds für Kommunen gegen Luftverschmutzung mit Leben erfüllt werden und schließlich sollten sich endlich auch die Diesel-Importeure an beiden Vorhaben beteiligen.

Von der großen Elektro-Show lässt sich die Regierungschefin nicht zu Jubelstürmen hinreißen, betont aber dennoch die Chancen: „Zum Teil ist noch sehr wenig auf der Straße, aber wir sehen, dass die nächsten fünf bis zehn Jahre hier einen massiven, qualitativen Wechsel mit sich bringen werden. Und das ist auch richtig und wichtig.“ Man brauche einen kontinuierlichen Übergang vom Verbrennungsmotor in die alternativen Antriebstechnologien, ohne sich zu schnell auf eine Lösung festzulegen. Sehr viel anders hätten das die versammelten Autobosse wohl auch nicht gesagt.