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Funktionieren sollte das Pumpspeicherwerk Atdorf wie die Anlage der Schluchseewerk AG in Herrischried: Im Bild sieht man das Hornbergbecken im Hotzenwald und eine Animation des geplanten Oberbeckens. Foto: Schluchseewerk AG
Funktionieren sollte das Pumpspeicherwerk Atdorf wie die Anlage der Schluchseewerk AG in Herrischried: Im Bild sieht man das Hornbergbecken im Hotzenwald und eine Animation des geplanten Oberbeckens. Foto: Schluchseewerk AG
12.10.2017

EnBW begräbt Milliardenprojekt Pumpspeicherkraftwerk Atdorf

Atdorf. Das riesige Pumpspeicherkraftwerk Atdorf im Südschwarzwald steht vor dem Aus. Das Milliardenprojekt werde nicht weiter verfolgt, teilte der Energieversorger EnBW in Karlsruhe mit. Man sei zum Schluss gekommen, dass weitere kosten- und zeitintensive Planungsarbeiten nötig wären und ein Zeitpunkt für die Umsetzung ungewiss sei. Zudem seien die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen ungünstig.

Gebaut werden sollte das Kraftwerk von der Schluchseewerk AG, einem Tochterunternehmen von EnBW und RWE. Der Energieriese aus Nordrhein-Westfalen hatte sich 2014 von dem Projekt verabschiedet. Das 1,6 Milliarden Euro teure Vorhaben war von Anfang an umstritten. Gemeinden, Umweltverbände und Bürgerinitiativen lehnten es ab. Den Planungen zufolge sollten eine 75 Meter hohe Staumauer und zwei künstliche Seen gebaut werden.

Der Umweltverband BUND reagierte erfreut. Durch die Anlage hätten viele sehr seltene Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum unwiederbringlich verloren. Vor allem die Eingriffe in den Wasserhaushalt des Gebiets wären aus BUND-Sicht schädlich gewesen. Energie- und Umweltminister Franz Untersteller bedauerte die Entscheidung. Die CDU-Landtagsfraktion hält sie für falsch. „Wir brauchen jeden Speicher, den wir realisieren können“, teilte Fraktionschef Wolfgang Reinhart mit.

EnBW will bei Speichertechnologien jetzt neue Prioritäten setzen. So kooperiert man beim Bau eines Lithium-Ionen-Speichers in Heilbronn mit Bosch.

Pumpspeicherkraftwerke können zur Sicherheit der Stromversorgung beitragen. Wenn mehr Strom zur Verfügung steht als gebraucht wird, etwa wenn Wind weht und die Sonne scheint, befördern starke Pumpen Wasser von einem unteren Becken in ein höher gelegenes Becken. Wenn Strom im Netz fehlt, wird das Wasser von oben durch Rohre oder Schächte nach unten geleitet. Dann treiben Turbinen Generatoren an.