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12.11.2008

Erleichterung über Tarifabschluss

SINDELFINGEN/PFORZHEIM. Das Urteil über den Tarifabschluss der Metaller fällt überwiegend positiv aus. Er sieht bei einer Laufzeit von 18 Monaten eine Erhöhung der Löhne um 4,2 Prozent und zudem zwei Einmalzahlungen vor.

„Ich würde von einem angemessenen Abschluss sprechen“, betonte Hans-Eberhard Koch, geschäftsführender Gesellschafter der Pforzheimer Firma Witzenmann und Vorsitzender des Landesverbands der verarbeitenden Industrie (LVI). Angesichts der Unsicherheit über die Entwicklung im kommenden Jahr sei damit aber sicherlich für viele Betriebe in der Metallindustrie die Schmerzgrenze erreicht, glaubt Koch. „Die Situation in den einzelnen Branchen ist sehr unterschiedlich.“ Ein Großteil der Unternehmen, sofern sie nicht direkt an der Automobilindustrie hängen, sei in guter Verfassung. Die deutlich erhöhten Personalkosten würden zu weiteren Rationalisierungen führen, um die Produktivität zu steigern. Immerhin habe sich die Kostenbelastung beim Materialeinkauf durch sinkende Rohstoffpreise zuletzt deutlich entspannt, bemerkte der LVI-Chef. Positiv beim Tarifabschluss sei die flexible Komponente, wobei die zweite Stufe der Lohnerhöhung aus wirtschaftlichen Gründen in Absprache mit dem Betriebsrat verschoben werden kann.
Zufrieden zeigte sich gestern nach dem 22-stündigen Verhandlungsmarathon in Sindelfingen Martin Kunzmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Pforzheim/Enzkreis. „Dieses Ergebnis wäre ohne die Unterstützung unserer Mitglieder nicht möglich gewesen.“ In Pforzheim und Mühlacker hätten sich über 1400 Metaller an Warnstreiks beteiligt. „Der Abschluss passt in die Landschaft, ist aber kein Grund zum Jubeln“, sagte Kunzmann gestern am Rande der Tarifverhandlungen. Wichtig sei, dass durch die Einigung ein längerer Arbeitskampf vermieden wurde. „Ich denke, beide Seiten können mit dem Abschluss leben.“ Das Pforzheimer Abkommen zur Beschäftigungssicherung gelte weiter, dadurch könnten Betriebe, die in wirtschaftlichen Nöten steckten, vorübergehend von Tarifregelungen abweichen, erläuterte Kunzmann. Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) hat die Einigung als „Hoffnungszeichen in wirtschaftlich schwieriger Zeit“ bezeichnet.