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Die überdurchschnittlich gute Spargelernte in diesem Jahr lässt die Kilopreise sinken. Foto: dpa
Die überdurchschnittlich gute Spargelernte in diesem Jahr lässt die Kilopreise sinken. Foto: dpa © dpa
07.06.2011

Ernte hui, Preise pfui - Heikles Jahr für Spargelbauern

Akkord auf dem Acker: Die Spargelbauern in Deutschland haben wenige Tage vor Saisonende rekordverdächtige Mengen geerntet. Doch die großen und früh eingefahrenen Erntemengen wandelten sich nur bedingt in bare Münze, weil das Riesenangebot zu mächtigem Preisdruck führte. Damit steht ein Gewinner aber schon fest: Für die Verbraucher war das Edelgemüse in aller Regel günstiger zu haben.

Zwar gibt es mit dem offiziellen Ende der Saison am Johannistag (24. Juni) noch keine abschließende Bilanz. Statistiken und Einschätzungen von Marktexperten legen aber nahe, dass die Spargelernte durchaus das Niveau des Rekordjahres 2009 erreichen kann.

Klar ist bereits, dass die Spargelschwemme auch am Ende der Preiskette Auswirkungen hatte: Im umsatzstarken Monat Mai war das Stangengemüse deutlich billiger als vor einem Jahr. Ein Kilogramm kostete nach Angaben der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) in Bonn im Schnitt 5,05 Euro. Im kühlen Mai 2010 sei es fast ein Euro mehr gewesen (5,96 Euro). Damals herrschte aber auch eher ein Mangel an Spargel.

«Das sonnig warme, frühlingshafte Wetter steigert auch den Spargelhunger», sagt Ami-Marktanalyst Michael Koch. Und dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge war dieser April der zweitwärmste seit Aufzeichnungsbeginn - Ernte und Appetit auf das Gemüse wuchsen also gleichzeitig. Franz-Josef Löpmeier vom Braunschweiger DWD-Zentrum für agrarmeteorologische Forschung sagt: «Generell ist es so, dass warmes Wetter den Ertrag begünstigt.» Spargel benötige Wasser praktisch erst, wenn er die Beete durchstoße - doch dann ist er schon erntereif. «Für die Spargelbauern ist es daher sicherlich ein gutes Jahr», sagt Löpmeier - denn auch der Mai war eher warm.

Experten sehen die große Spargelmenge als zentrale Ursache für die sinkenden Preise. Von Anfang März bis Ende Mai wurden auf den fünf wichtigsten Großmärkten Deutschlands 43 Prozent mehr weißer Spargel gehandelt als im gleichen Vorjahreszeitraum. Das ergibt ein Vergleich von Marktberichten der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), die jede Woche die Großmärkte in Berlin, Frankfurt/Main, Hamburg, Köln und München abfragt. «Mit diesen fünf Märkten ergibt sich eine repräsentative Preisentwicklung für den deutschen Markt», sagt BLE-Sprecher Tassilo von Leoprechting.

So brachte das Plus bei der Ernte keinesfalls ein vergleichbares Plus beim Umsatz: Eine um gut 40 Prozent größere Menge steht einem Erlöszuwachs um nur rund 15 Prozent gegenüber. Im Vergleich mit 2010 gab es in den Kalenderwochen 11 bis 21 teilweise Preiseinbrüche zwischen 30 und 40 Prozent. Auf den fünf Großmärkten kamen von März bis einschließlich Mai Erlöse von knapp 20 Millionen Euro zusammen - nach gut 17 Millionen Euro im Vorjahr ist das angesichts der Mengensteigerung ein eher bescheidener Zuwachs.

«Die Preise auf den Großmärkten waren mächtig unter Druck», bestätigt Marktanalyst Koch. Der Experte rechnet damit, dass die Erntemenge 2011 an den Rekord von 2009 heranreichen kann. Damals hatte es bundesweit 98 000 Tonnen Spargel gegeben, 2010 gut 92 000 Tonnen.

An der Erntefront ist die Zwischenbilanz durchwachsen: «Es gab zu viel zu früh. Darauf ist der Verbraucher nicht vorbereitet», sagt Dietrich Paul. Er ist der Chef der Vereinigung der Spargelanbauer Niedersachsen - das größte deutsche Anbaugebiet. Ob bei der Menge ein neuer Rekord erreicht werde, will er noch nicht einschätzen. «Da ist es noch zu früh für.» Eines sei aber absehbar: «Es hat schon eine ganze Menge gegeben.» Vielerorts gäben die Pflanzen bereits weniger und oft dünnere Stangen her - das geschehe sonst erst später.

Nach Kochs Angaben haben trotz des Konkurrenzdrucks auch kleinere Betrieben beim Spargel Chancen. Ein Schlüssel zum Erfolg liege in geschickter Direktvermarktung etwa im eigenen Hofladen. Ein Trend wird sich Koch zufolge aber wohl nicht weiter verstärken: «Die Dichte von mobilen Verkaufsständen hat einen Punkt erreicht, wo weiteres Wachstum eher schädlich ist und zu Verdrängung führt.» dpa