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Wer noch einen alten Bausparvertrag hat, profitiert von guten Konditionen. Foto: dpa
Wer noch einen alten Bausparvertrag hat, profitiert von guten Konditionen. Foto: dpa
26.07.2016

Es knirscht im Gebälk: Bausparkassen im Wandel

Stuttgart. Für alte Bausparverträge bekommen Sparer oft noch vier Prozent Zinsen. 30 Millionen Verträge gibt es hierzulande. Doch die Branche kämpft.

Die Bausparkassen sind im Wandel. Grund: Die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB), worüber Branchenvertreter sich unisono beklagen. Das Bausparen werde „an den Rand des Abgrunds“ getrieben, empört sich der Chef des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, Peter Schneider. Sein Verband ist Eigner der Landesbausparkasse (LBS) Baden-Württemberg. Es knirscht im Gebälk der Bausparbranche.

Die Niedrigzinsen drückten „gewaltig auf die Erträge der Bausparkassen“, sagt Andreas Zehnder vom Verband der Privaten Bausparkassen. Auch Wüstenrot-Chef Bernd Hertweck warnt: Das Geschäftsmodell stehe „massiv unter Druck“. Die einhellige Kritik der Manager verdeutlicht: Mit ihren Niedrigzinsen trifft die EZB einen wunden Punkt der Branche. Deren Geschäftsmodell basiert schließlich auf dem Versprechen niedriger Zinsen – spart man einige Jahre ein Guthaben an, bekommt man zur Belohnung ein niedrig verzinstes Baudarlehen. Was aber, wenn Niedrigzinsen keine Verlockung, sondern eine Selbstverständlichkeit sind?

„Das Produkt Bausparen bleibt attraktiv, wenn man davon ausgeht, dass die Zinsen in zehn Jahren höher sind als heute“, sagt Wüstenrot-Chef Hertweck. Er räumt ein, dass die Zinsen vorerst wohl nicht steigen werden. „Aber liegen sie in zehn Jahren höher?“, sagt Hertweck. „Das Risiko ist da – mit dem Bausparen kann sich der Kunde gegen dieses Risiko absichern.“ Wüstenrot gibt derzeit 0,1 bis 0,25 Prozent Zinsen auf Guthaben, solche Werte sind marktüblich. Hertweck klingt durchaus nachdenklich beim Blick auf solche Guthabenzinsen, die letztlich das Resultat des EZB-Kurses sind. „Im Neugeschäft könnte es Einbußen geben, wenn die Sparneigung zurückgeht“, sagt der Manager. Zugleich verweist er aber auf die für Kunden attraktiven, niedrigen Darlehenszinsen von einem Prozent aufwärts – also die Bausparvertrags-Garantie, dass man in zehn Jahren einen günstigen Kredit bekommt.

Die Stimmung mag mitunter schlecht sein, doch einige Institute vermeldeten 2015 Höchstwerte beim Bauspar-Neugeschäft, wie etwa die LBS Baden-Württemberg, die LBS Bayern und Wüstenrot. Die LBS Hessen-Thüringen freute sich über einen „Bauspar-Boom“.

Das Problem an der Sache: Mehr Volumen heißt nicht unbedingt mehr Gewinn. Durch die EZB-Niedrigzinsen und die damit verbundenen geringeren Margen für die Finanzbranche wird es schwieriger, dicke Gewinne zu machen. So musste etwa die LBS West 2015 einen Gewinnrückgang um gut 40 Prozent auf zehn Millionen Euro bekanntgeben. Das Institut setzt auf ein Sparprogramm samt Stellenkürzungen. Der Vorsteuergewinn von Branchenprimus Schwäbisch Hall sank um zehn Prozent auf 341 Millionen Euro – trotz eines dicken Plus’ beim Neugeschäft. Allen Instituten gemein ist das Problem der Altverträge - solche Verträge bringen Sparern hohe Guthabenzinsen, was für die Bausparkassen ein schlechtes Geschäft ist. Denn die Darlehen, die sich im Rahmen eines Bausparvertrags eigentlich an die Guthabenphase anschließen, werden nicht abgerufen, schließlich wären die ebenfalls hoch verzinst. Daher verzichten die Verbraucher auf diesen Abruf und kassieren lieber weiter Guthabenzinsen – zum Ärger der Kassen, denen dadurch Einnahmen aus dem Darlehensgeschäft fehlen. Seit 2015 flattern Bausparkunden Kündigungen solcher Verträge ins Haus, was zu vielen Klagen geführt hat.

Die Branche wandelt sich. Die Summe klassischer Bauspardarlehen sinkt seit Jahren, daher steuerten die Institute beim Geschäftsmodell um und setzten verstärkt auf andere Kreditformen – seit Anfang 2016 hat der Gesetzgeber Regeln für die Bausparkassen gelockert, wodurch leichter klassische Hypothekendarlehen vergeben werden können.