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07.04.2008

Es läuft besser als befürchtet

BASEL/PFORZHEIM. Nach einem teilweise turbulenten Wochenende konnten die Pforzheimer Aussteller der Baselworld gestern wieder etwas aufatmen. Mit der Halbzeit der Schmuck- und Uhrenmesse herrscht Zuversicht.

Die Branche ging in diesem Jahr mit großen Befürchtungen nach Basel. Wie wird sich die Finanzkrise aufs Geschäft auswirken? Welche Einbußen bringt der hohe Eurokurs? Wie beeinflusst der Goldpreisanstieg den Absatz? Aus den Erfahrungen des Jahres 2003 weiß man, dass eine Krise – wie damals die Lungenkrankheit Sars – kräftig auf den Umsatz drücken kann. Doch dann wurde alles gut – zumindest bis zur Halbzeitbilanz. Die Schmuck- und Uhrenmesse Baselworld öffnete am Donnerstag, 3. April, ihre Tore und dauert noch bis zum Donnerstag, 10. April.
Vor allem der Samstag war für viele der rund 90 Unternehmen aus der Region um Pforzheim ein guter Messetag, hieß es in einer Umfrage der Pforzheimer Zeitung. „Mir blieb kaum Zeit zum Luft holen“, sagte ein Schmuckhersteller aus der Goldstadt, der nach eigenen Angaben fast bis Messeschluss um 18 Uhr Kunden an seinem Stand in Halle zwei bedient hat. Allerdings findet nach Meinung vieler Firmen eine Verschiebung der Kundenstruktur statt: „Die Zahl der Besucher aus den USA und aus Asien ist in diesem Jahr deutlich zurückgegangen“, stellte nicht nur ein Enzkreis-Unternehmen an seinem Stand fest. Die andere Seite: „Osteuropa und Märkte wie Indien werden immer bedeutender“, hieß es.

Für Alfred Schneider vom Bundesverband Schmuck + Uhren ist es nicht nur der schwache Dollar und die damit verbundene Verteuerung der Euro-Waren, der die US-Geschäfte zurückgehen lässt: „Die allgemeine schlechte wirtschaftliche Lage der USA ist sicher ein wesentlicher Grund für den teilweise festgestellten Besucherrückgang der Amerikaner“, glaubt er.
Der hohe Goldpreis dagegen scheint so gut wie keine Rolle für das Messegeschäft zu spielen. Wer ohnehin exklusive und teuere Produkte verkauft – wie beispielsweise Wellendorff oder Fabergé –, der spürt auch bei einem Preisauftrieb von Edelmetall keine Zurückhaltung seiner finanzkräftigen Kundschaft. „Wir haben hochpreisige Ware und das wissen unsere Kunden“, erklärte auch Gerhart Odenwald von der gleichnamigen Schmuckmanufaktur. Der Goldpreis sei kein wesentliches Thema. Bestätigt wurde dies am Wochenende: Die Vorlagetische am Odenwald-Stand waren fast durchweg mit Interessenten belegt und das Personal nebst Chef gut beschäftigt.
Im empfindlichen Niedrigpreisbereich hingegen wird die Ware „leichter gemacht“, um den Goldpreisanstieg aufzufangen, wie ein Hersteller sagte. Unterdessen haben die Trauringhersteller weniger Mühe, ihre teurer gewordene gelbe Ware ans Brautpaar zu bringen. „Die Hochzeit ist immer noch ein Ereignis, bei dem nicht bis auf den letzten Cent gespart wird“, sagte Michael Bentner von der Firma Rauschmayer. Bentner stellt für sein Unternehmen derweil eine starke Nachfrage nach Silberschmuck fest. Und: „Trauringkombinationen in Rot und Weiß sind stark im Kommen.“ Auch er bilanzierte den Samstag als „sehr ordentlichen Messetag“.

Im Bereich Steine und Perlen waren ebenfalls kaum kritische Töne zu hören: „Wir sind sehr zufrieden“, sagten viele der befragten Aussteller. Dasselbe bei den Zulieferunternehmen, die Maschinen und Werkzeuge auf der Baselworld präsentieren. „Die Zuversicht für eine gute Messe ist groß“, sagte einer, „aber erst am Donnerstagabend wissen wir, ob sie auch begründet war“.