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Plastiktrinkhalme waren gestern – Konstantin Neumann, Gründer des Start-Up-Unternehmens „Wisefood“, beißt in einen „Eatapple“-Trinkhalm. Foto: Schmidt
Plastiktrinkhalme waren gestern – Konstantin Neumann, Gründer des Start-Up-Unternehmens „Wisefood“, beißt in einen „Eatapple“-Trinkhalm. Foto: Schmidt
Der glutenfreie und essbare Trinkhalm namens „Eatapple“ aus Apfelresten in Form einer überdimensionalen Makkaroni enthält viele Ballaststoffe. Foto: Schmidt
Der glutenfreie und essbare Trinkhalm namens „Eatapple“ aus Apfelresten in Form einer überdimensionalen Makkaroni enthält viele Ballaststoffe. Foto: Schmidt
14.07.2018

Essen statt wegwerfen: Start-up-Unternehmen entwickelt nachhaltige Trinkhalme

Langenbernsdorf/Stuttgart. Das Meer als Müllkippe: Jedes Jahr landen laut EU-Kommission 500 000 Tonnen Plastik in den Ozeanen. Vor allem Trinkhalme aus Kunststoff sind zum Symbol für gedankenlose Wegwerfartikel geworden, gegen die die EU jetzt radikal vorgehen will. Dabei muss man Trinkhalme nicht in den Müll werfen. Man kann sie einfach essen.

Ein Start-up mit Sitz in Sachsen und Baden-Württemberg hat einen nachhaltigen Trinkhalm aus Apfeltrester entwickelt. Das Abfallprodukt entsteht bei der Herstellung von Apfelsaft. „Allein in Deutschland kommen davon pro Jahr etwa 60 000 Tonnen zusammen. Das ist ein enormes ungenutztes Potenzial“, meint Konstantin Neumann, der ursprünglich aus Langenbernsdorf (Landkreis Zwickau) stammt, inzwischen aber auch in Stuttgart zuhause ist.

Der 21-Jährige hat vor einem Jahr mit zwei Freunden das Unternehmen Wisefood gegründet und den nach eigenen Angaben weltweit ersten essbaren Trinkhalm mit dem Namen „Eatapple“ auf den Markt gebracht – ein Wortspiel aus den englischen Worten für essbar und Apfel. Dafür wurden sie Anfang Juni von der Initiative Land der Ideen als eines von bundesweit 100 Projekten als „Ausgezeichneter Ort“ prämiert. Auch beim sächsischen Ideenwettbewerb „futureSAX“ und dem IQ Innovationspreis Mitteldeutschland, die beide Ende Juni verliehen werden, gehören die Jungunternehmer zum Kreis der Finalisten.

Genießen, ohne die Umwelt zu belasten – auf diese Idee kam Konstantin Neumann schon während seines Studiums zum Lebensmittelwissenschaftler an der Stuttgarter Uni Hohenheim. Als Leistungssportler im Kraftdreikampf, einer Form des Gewichthebens, sei ihm eine ausgewogene Ernährung sehr wichtig, erläutert er. So sei er durch den Sport und den ein oder anderen Arbeitseinsatz in diversen Mostereien auf den Apfel gekommen. Der glutenfreie Trinkhalm aus Apfelmark und Apfelfasern in Form einer überdimensionalen Makkaroni enthält viele Ballaststoffe, aber quasi kein Fett – der ideale Trainingssnack also, nachhaltig und witzig obendrein.

Bereits seit 2015 feilt Neumann mit seinen Mitgründern Danilo Jovicic (29) und Philipp Silbernagel (26) an der optimalen Rezeptur. Die Prototypen seien anfangs noch zu weich gewesen. Beim Trocknen hätten sie sich außerdem verzogen. Mit einer umgebauten Nudelmaschine stellten die Gründer an einem Universitätsinstitut zunächst 30 bis 40 Strohhalme her – pro Tag und mit viel Handarbeit. Später produzierten sie täglich bis zu 10 000 Öko-Halme im Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik im niedersächsischen Quakenbrück.

Aktuell laufen die Vorbereitungen für den Umzug der Produktion zu einem Nudelhersteller in Spaichingen (Kreis Tuttlingen). Ab Juli sollen täglich eine halbe Million essbarer Halme vom Band laufen.

Anders als die Plastikkonkurrenz weicht die Ökovariante allerdings irgendwann durch. „In Alkohol bleibt unser Trinkhalm derzeit rund 45 Minuten formbeständig, bei Saft nur etwa 20 Minuten“, räumt der Gründer ein. Derzeit arbeiteten sie an einer weiteren Rezepturverbesserung, um eine Haltbarkeit von zwei bis drei Stunden zu erreichen.

Das Studium hat Neumann mittlerweile an den Nagel gehängt. Stattdessen ist er Arbeitgeber. Das Start-up beschäftigt demnach bereits vier Vollzeitangestellte und vier Praktikanten. Per Crowdfunding besorgten sich die Gründer das nötige Kapital. Allein im Mai habe man 50 000 Trinkhalme verkauft, wobei der Preis deutlich über der Einmalvariante aus Plastik liegt: 100 Stück kosten im Wisefood-Onlineshop 40 Euro.