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Mehr als ein sportliches Symbolbild: Mercedes liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Rivalen BMW. Ebener
Mehr als ein sportliches Symbolbild: Mercedes liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem Rivalen BMW. Ebener
05.08.2015

Etappensieg für Mercedes

Zum Amtsantritt des neuen BMW-Chefs Harald Krüger hatte Audi-Chef Rupert Stadler ihn willkommen geheißen „zum sportlichen Wettstreit“ – und keck erklärt: „Einer von beiden wird die Nase vorn haben.“ Ein Vierteljahr später sieht das Rennen der Autobauer um die Krone im Oberklasse-Segment aber ganz anders aus: BMW und Verfolger Audi verlieren beide an Tempo, während Mercedes mit Vollgas auf die Überholspur zieht. Ein Grund: das China-Geschäft.

Wie laufen die Geschäfte von BMW, Audi und Mercedes?

Die Verkündung von Rekordzahlen ist für die drei Autokonzerne fast schon zur Routine geworden. Alle drei steuern auch dieses Jahr auf neue Bestmarken bei Verkäufen, Umsatz und Gewinn zu und schaffen neue Arbeitsplätze.

Wie sah es im ersten Halbjahr aus?

Sehr unterschiedlich. Audi legte beim Verkauf um vier Prozent zu, BMW um acht Prozent, Mercedes um 16 Prozent. Damit hat BMW in puncto Absatz mit 1,1 Millionen Autos weiter die Nase vorn, Audi und Mercedes folgen fast gleichauf mit rund 900 000 Autos. Einschließlich verkaufter Lamborghini- und VW-Modelle setzte Audi eine Million Autos ab, Mercedes kam einschließlich Smart-Verkäufe auf 960 000 Fahrzeuge. Aber beim Gewinn ist Mercedes klare Nummer eins, mit einer Umsatzrendite von 10,0 Prozent im Autogeschäft und einem Betriebsergebnis von 4,1 Milliarden Euro. Die BMW-Rendite schrumpfte dagegen auf 8,9 Prozent, das Betriebsergebnis im reinen Autobereich sank auf 3,6 Milliarden Euro. Die VW-Tochter Audi kam auf 9,8 Prozent Rendite und ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Warum diese Unterschiede?

Mercedes ist mit einer neuen Modellpalette auf dem Markt und hat in China seine Löcher im Händlernetz inzwischen gestopft. Bei Audi steht der wichtige A4 noch in den Startlöchern, bei BMW das Flaggschiff, der 7er. BMW verkauft derzeit mehr Minis und kleine BMWs wie den neuen 2er-Van, die weniger Profit abwerfen als die großen Modelle. Entwicklungskosten sowie Milliarden-Investitionen in neue Werke und Technologien belasten. Audi verkauft jedes dritte Auto in China, BMW und Mercedes jedes fünfte – dort sind die Gewinnspannen doppelt so hoch wie im Rest der Welt, so die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Warum ist China so wichtig?

Bei den Bilanz-Pressekonferenzen von BMW, Audi und Mercedes war China das Hauptthema. Die Volksrepublik hatte 2009 die USA als größten Automarkt der Welt überholt und wuchs zweistellig – bislang. Jetzt wächst der Automarkt nur noch einstellig. Trotzdem haben BMW, Audi und Mercedes zusammen dort im ersten Halbjahr 670 000 Autos verkauft.

Was bremst die Nachfrage im Reich der Mitte?

Die Wirtschaft wächst nicht mehr so extrem, die Immobilienpreise sind gesunken, der Börseneinbruch hat viele Anleger Geld gekostet. Eine Anti-Korruptions-Kampagne dämpft die Nachfrage nach Premium-Autos – der Briefumschlag vom Chef mit Bargeld für den Autokauf als Bonus ist seltener geworden, wie es bei einem Konzern heißt. Funktionäre wurden aufgefordert, mehr Fahrzeuge aus heimischer Produktion zu kaufen. Staus plagen die Städte – Peking und Schanghai beschränken die Zulassung neuer Autos. Viele Kunden verschieben den Kauf, andere fordern Rabatte – das schmälert den Profit.

Was macht Hoffnung?

Die chinesische Wirtschaft und die Autonachfrage schrumpfen nicht – sie wachsen nur viel langsamer. In China besitzen nur rund 80 von 1000 Einwohnern ein Fahrzeug. Und die meisten Chinesen zahlen ihr Auto bar, nur ein Viertel kauft auf Pump. In Deutschland ist es umgekehrt, in den USA nehmen laut LBBW sogar 85 Prozent der Käufer Kredit auf.