Wendelin Wiedeking
Im Rampenlicht: Wendelin Wiedeking als Porsche-Chef.  Foto: Weissbrod/dpa 

Ex-Porsche-Chef heute Multi-Investor: Wendelin Wiedeking wird 70 - Männerfreundschaft mit Uwe Hück

Stuttgart. Bei der Zukunft des Autos nur auf Elektromobilität setzen? Wendelin Wiedeking macht eine kurze Pause und poltert dann drauf los: „Die Einschränkung auf eine Technologie ist der größte Fehler“, sagte der Ex-Porsche-Chef der Deutschen Presse-Agentur. Die Politik solle den Umweltrahmen vorgeben, aber nicht die Technik. Die Zukunft entstehe, wenn man offen sei für neue Ideen, so der promovierte Maschinenbauingenieur, der seit seinem Abgang bei dem in Stuttgart ansässigen Autobauer als Unternehmer tätig ist und am Sonntag 70 Jahre alt wird.

Die Bilder von einem lachenden Wiedeking mit dicker Zigarre oder im flotten Sportwagen sitzend sind längst Geschichte, seit er den Sportwagenbauer in einer Juli-Nacht 2009, nach einem spektakulären, aber verlorenen Machtkampf verlassen musste. An seinen damaligen Gegenspieler, dem einstigen VW-Patriarchen Ferdinand Piëch lässt er bis heute kein gutes Haar. Dieser habe einfach die Macht behalten wollen. „Er hatte Angst, dass Wolfgang Porsche und ich ihm die Macht streitig machen könnten“, sagt der gebürtige Westfale. Piëch stellte sich als VW-Aufsichtsratschef zeitweise gegen Wiedekings Übernahmepläne von Volkswagen durch Porsche.

Wiedeking war Anfang der 1990er Jahre zu Porsche zurückgekehrt und übernahm im September 1992 zunächst den Posten des Vorstandssprechers. Knapp ein Jahr später erhielt er dann den Titel Vorstandsvorsitzender. Er hatte den Autobauer in einer schweren Krise vorgefunden. Wiedeking baute Stellen ab, brachte die Produktion auf Vordermann. Er ging selbst ins Risiko und haftete persönlich für einen 200-Millionen-Mark-Kredit. Porsche kam wieder auf die Beine und wurde zum profitabelsten Autobauer der Welt. „Ich habe die Familien Porsche und Piëch zu Milliardären gemacht“, sagt er heute.

Die Familien unterstützten auch die geplante Übernahme von Volkswagen, Europas größten Autobauer durch das viel kleinere Unternehmen. Doch das Vorhaben ging schief. Der Schuldenberg von Porsche wuchs und die VW-Aktie stieg in jenen Tagen im Jahr 2008 in bislang unbekannte Höhen. Die Wolfsburger waren zeitweise das teuerste Unternehmen der Welt. In diesem Zusammenhang ermittelte dann die Staatsanwaltschaft gegen den Vorstandschef wegen des Verdachts der Marktmanipulation. Das Verfahren zog sich jahrelang hin. Am Ende kam ein lupenreiner Freispruch heraus.

An den Vorwürfen sei absolut gar nichts dran, urteilte das Landgericht Stuttgart im Jahr 2016. Heute auf das Thema angesprochen, wird spürbar, dass ihm und seiner Familie das Verfahren schwer zusetzte: „Die Staatsanwaltschaft wollte unbedingt eine Verurteilung statt rechtzeitig zu erkennen, dass die Vorwürfe haltlos sind.“ Im Geschäftsjahr 2007/08 hatte Wiedeking bei Porsche knapp über 100 Millionen Euro verdient. Ein Rekordsalär. Das hing damit zusammen, dass er einst eine Gewinnbeteiligung mit ausgehandelt hatte. Er haftete schließlich für den Kredit, der nötig war, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen.

Er investierte sein Geld unter anderem in Immobilen, Gewerbeparks, eine Pizzakette, einen Schuhhersteller, ein Online-Reisebüro für Kreuzfahrten und auch in das eine oder andere Start-up.

Eine Männerfreundschaft

Im Jahr 1988 lernte Uwe Hück ihn kennen: Wendelin Wiedeking war damals schon im Management bei Porsche – plante die Lackiererei in Zuffenhausen, wo Hück als Lackierer arbeitete. Beide machten Karriere: Wiedeking wurde Porsche-Chef und der Pforzheimer Vorsitzender des Konzernbetriebsrats und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender. Wiedeking wollte im Herbst 1993 das Weihnachtsgeld streichen, Hück stellt sich quer – mit Erfolg. Wiedeking habe immer eine klare Reihenfolge eingehalten: Erst kommt der Kunde, dann die Mitarbeiter und dann die Aktionäre. Porsche wollte den VW-Konzern übernehmen. Die Übernahmeschlacht ging verloren.

Noch heute treffen sich die beiden Männer regelmäßig. Hück ist Vorstandsmitglied in der „Wiedeking Stiftung“ mit Sitz in Bietigheim-Bissingen. Gefördert werden vor allem soziale Projekte, darunter auch der Wilferdinger Sperlingshof – in dem Uwe Hück einst als Waisenkind aufgewachsen ist. Auch beim 60. Geburtstag des ehemaligen Porsche-Betriebsratschefs im Mai war Wiedeking ein prominenter Gas.