760_0900_101543_notar.jpg
Notar Gerhard Zagst.  Foto: Hegel 

Experten-Tipp: So vererbt man steuerfrei

Pforzheim. Ein Familienvater stirbt. Er hinterlässt Frau, zwei Kinder und ein großes Haus. Das Verhältnis zu den Kindern war zerrüttet, deshalb möchte der Ehemann sein ganzes Vermögen der geliebten Gattin hinterlassen. „Das ist in Deutschland gar nicht möglich“, erklärt der Pforzheimer Notar a.D. Gerhard Zagst von der Kanzlei Ladenburger. Als einer von drei Referenten sprach er auf Einladung der BW-Bank zum Thema Generationenmanagement in den „Goldstadtstuben“.

Über 40 Jahre hat Zagst als Notar gearbeitet. Zuerst in Stuttgart, dann in Pforzheim. Er kennt alle Tücken des Erbens – und zwar nicht nur die rechtlichen, sondern auch die familiären. „Man glaubt gar nicht, was für einen großen Einfluss Schwiegerkinder bei dem Thema haben können“, plaudert er bei seinem Vortrag aus dem Nähkästchen. Problematisch kann das werden, weil nach deutschem Recht Kinder (wenn keine Kinder geboren wurden, sind es die Eltern) eines Verstorbenen Anrecht auf einen Pflichtteil des Vermögens haben – auch dann, wenn sie vorher im Testament ausdrücklich enterbt wurden. Und so wird der Prozentsatz berechnet: Ohne Testament wäre der Nachlass je zur Hälfte auf Ehefrau und Kinder aufgeteilt worden. Der Pflichtteil entspricht 50 Prozent vom gesetzlichen, also testamentslosen Erbe – im Beispielfall wären das also 25 Prozent. Durch eine Erbgemeinschaft könnten die Kinder dann sogar beim hinterlassenen Haus eine Mitsprache einfordern, in dem die Mutter eigentlich mietfrei wohnen bleiben wollte. „Wir hoffen natürlich nie, dass es soweit kommt“, sagt Zagst. In anderen Ländern sei das rechtlich einfacher geregelt. „In England können Sie die Königin als Alleinerbin einsetzen und Ihre Kinder sehen keinen Cent“, erklärt Zagst.

Natürlich läuft das Erben nicht immer so konfliktgeladen ab. Wie man ein großes Vermögen über den Freibetrag von 400 000 Euro für Kinder deshalb fast steuerfrei an seine Nachkommen weitergibt, erklärte Vermögensberater Robert Sigler an einem Beispiel, das so unglaublich klingt, dass selbst Moderator Jan Becker von der BW-Bank ungläubig zweimal nachfragen musste.

Über eine sogenannte Leibrente könne der Vermögende sein gesamtes Kapital anlegen. Aus diesem Topf bezieht das Kind so lange eine jährliche Rente (bei eingezahlten 900 000 Euro wären es etwa 40 000 Euro im Jahr) bis zum Tod des Versicherten. Anschließend würde tabellarisch eine Restsumme ausgezahlt, die – zur erhaltenen Rente addiert – sogar mehr ausschüttet, als einbezahlt wurde. Ganz egal, ob der Versicherte nach zwei oder nach 30 Jahren stirbt. Zusätzlich falle die Erbsteuer weg (im Beispiel etwa 90 000 Euro), da die Summe vom Staat nicht als Schenkung zu erkennen sei.

„Das liegt daran, weil wir dem Finanzamt nicht die einbezahlte Summe offen legen müssen, sondern nur die jährlich anfallende Rente“, erklärt Sigler. Diese wird dann mit einem aus dem Alter des Versicherten errechneten Faktor multipliziert, woraus sich die zu besteuernde Summe ergibt. In diesem Fall liegt sie unter dem Freibetrag von 400 000 Euro. Ein Zuschauer äußert Bedenken, ob das rechtlich einwandfrei sei. „Ja“, antwortet eine Mitarbeiterin der BW-Bank, „das wurde so vom Finanzamt abgenickt.“