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Hochauflösende Bilder, mit dem fliegenden Roboter aufgenommen, das bieten die Octonauten Philipp Schillinger, Sven Hirschberger, Jan Schmelter, Jens Alemann und Marc Gilardone (von links). Foto: Ketterl
Die digitale Welt erörtern (von links) Hanns Peter Kirschler und Bernard Kaminski (ib company) mit Christian Schönher (itelligence ). Foto: Ketterl
Am PZ-Stand: Jennifer Gilliar von TV-BW interviewt IHK-Präsident Burkhard Thost. An der Kamera Tanja Dennig. Foto: Ketterl
Alexander Richter und Johanna Schoblik bei Stiegele Büromöbel. Foto: Ketterl
23.06.2017

Experten diskutieren beim IHK-Zukunftsforum über Folgen der Digitalisierung

Pforzheim. In rund 20 Jahren habe die Hälfte der Menschen als Ergebnis der Digitalisierung keine Arbeit mehr. Dramatisch? Überhaupt nicht, meint Professor Richard David Precht: „Mir macht die Massenarbeitslosigkeit nur unter bestimmten Vorzeichen Sorge. Aber sonst nicht.“ Diese Vorzeichen, das wären beispielsweise gesellschaftliche Verwerfungen, bei denen die Menschen nicht wüssten, wie sie existieren könnten. Aber ansonsten fragt Precht: „Was ist so schlimm daran, wenn die Hälfte der Bevölkerung nicht mehr arbeitet?“ Er sieht es nicht als Strafe, einen langweiligen Bürojob aufgeben zu müssen oder krankmachende körperliche Arbeit einem Roboter zu überlassen.

Bildergalerie: IHK Zukunftsforum im CCP

Voraussetzung sei freilich, dass sich der Betroffene dennoch einen sinnvollen Tagesablauf gestalte und eine finanzielle Grundsicherung erhalte. Deshalb bekennt sich der Philosoph zum bedingungslosen Grundeinkommen (BGE), also eine vom Staat überwiesene monatliche Zahlung an jeden Bürger ohne Gegenleistung. „Ich könnte mir 1500 Euro vorstellen.“ Ungerecht, befindet eine Teilnehmerin beim Zukunftsforum 2030 der IHK Nordschwarzwald im CongressCentrum Pforzheim, das gestern nach zwei Tagen mit einer Expertenauslese an Referenten zu Ende ging. Precht widerspricht dem Vorwurf, das Grundeinkommen würde die Lust am Arbeiten nehmen: „Wenn die Hälfte der Menschen keinen Job hat, ist die Motivation nach Arbeit keine Frage.“ Und sicher sei, dass der technische Fortschritt dramatische gesellschaftliche Umwälzungen hervorbringen werde. „Vor den Konsequenzen habe ich Angst. Deshalb bin ich für das Grundeinkommen.“

Keinen Widerspruch gibt’s auf dem Referenten-Podium. Der Pforzheimer Startup-Unternehmer Tobias Danzer von Nox-Robot erklärt sich als BGE-Befürworter. Und Oliver Flaskämper, Vorstand der Bitcoin Deutschland AG, meint: „Einfach mal ausprobieren. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass es nicht funktioniert.“

Doch mit der Fehlerkultur sei es in Deutschland nicht weit her, bedauern mehrere Redner. Während es in den USA üblich und gesellschaftsfähig sei, Geschäftsmodelle zu probieren, dabei auch zu scheitern und die Erfahrungen daraus zu nutzen, komme diese Vorgehensweise hierzulande einem Drama gleich. Derweil sagt Florian Rothfuss von Porsche Digital, einer Tochter des Sportwagenbauers: „Digitalisierung hat viel mit Risiko und Geschwindigkeit zu tun.“ Porsche hat die GmbH als Kompetenzzentrum gegründet. Der Anspruch: „Führender Anbieter für digitale Mobilitätslösungen im automobilen Premiumsegment werden.“

Fehlerkultur, das definiert BASF-Manager Christoph Wegner so: „Sie starten viele Dinge und schauen, was funktioniert.“ Dazu gehöre es, „auch ganz verrückte Dinge zuzulassen.“ Ebenso erhielten Kooperationen eine immer größere Bedeutung, auch mit Wettbewerbern, macht Professor Dieter Spath vom Fraunhofer-Institut deutlich. Er spricht vorausblickend von der größten bevorstehenden Produktivitätswelle. Angesichts der Demografieentwicklung und des Fachkräftemangels sei „Produktivitätssteigerung das Gebot der Stunde“. Für Spath bietet die Digitalisierung „immense Chancen“. Voraussetzung sei: „Wir müssen radikaler denken.“ Kraftvolle Rationalisierung und disruptive Innovation sind für den Fraunhofer-Vertreter zwei wichtige Punkte.

Und wo bleibt der Mensch in dieser durchrationalisierten Gesellschaft, in der die Roboter das Arbeiten übernommen haben? Unisono beschwören alle Referenten die Notwendigkeit von Aus- und Weiterbildung. Denn jene Jobs, die nicht von den Maschinen übernommen werden können, erforderten hochqualifizierte, digitalaffine Mitarbeiter, erklärt BASF-Manager Wegner: „Wir müssen auf Bildung setzen, denn wir haben keine Rohstoffe.“

Auch das Arbeiten werde sich völlig ändern, unabhängig von Zeit und Ort, wie Philipp Bauknecht von Medialesson erläutert: Vom digitalen Arbeitsplatz in einer mobilen Welt wird erwartet: „Wir können von überall und mit einem beliebigen Endgerät auf alle unsere Daten und Apps zugreifen“ – sei es unterwegs im Auto, im Flieger oder im Hotel. Digitale Werkzeuge erlaubten es zudem, mit anderen Nutzern zu kommunizieren, die Daten freizugeben, um gemeinsam an Projekten zu arbeiten.

Wie sieht’s mit der Datensicherheit aus? „Ein wichtiges Thema“, meint BASF-Manager Wegner. Cyberkriminalität nehme „in einem atemberaubenden Tempo zu“. Alleine bei BASF gebe es täglich zigtausend Versuche, die Firewall zu überwinden. Das Unternehmen habe sich mit anderen Firmen zusammengeschlossen, um entsprechende Abwehrmaßnahmen zu entwickeln.