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Die baden-württembergische Staatssekretärin im Wirtschafts- und Bauministerium, Katrin Schütz (im roten Blazer) sprach mit Vertreterinnen und Vertretern von Kommunen und Institutionen der Region am Nordschwarzwaldstand auf der Expo Real. Darunter Pforzheims OB Peter Boch (von rechts) und Mühlackers Stadtoberhaupt Frank Schneider. Foto: Löffler
Die baden-württembergische Staatssekretärin im Wirtschafts- und Bauministerium, Katrin Schütz (im roten Blazer) sprach mit Vertreterinnen und Vertretern von Kommunen und Institutionen der Region am Nordschwarzwaldstand auf der Expo Real. Darunter Pforzheims OB Peter Boch (von rechts) und Mühlackers Stadtoberhaupt Frank Schneider. Foto: Löffler
11.10.2018

Expo Real in München: Region wirbt mit attraktiven Gewerbeflächen

München. Investoren und Projektentwickler verlagern ihre Aktivitäten mangels weiterer verfügbarer Flächen und exorbitant gewachsener Grundstückpreise von den Metropolen ins Umland. In den vergangenen zwei Jahren gibt es eine starke Nachfrage für Bauvorhaben – sowohl Gewerbe wie auch Wohnwirtschaft – in den Mittelzentren und im ländlichen Raum.

Das stellte Sven Eisele im PZ-Gespräch auf der Expo Real (8. bis 10. Oktober) in München fest. Er ist Direktor und Generalbevollmächtigter der Sparkasse Pforzheim Calw und für sein Institut von Anfang an als Mitaussteller am Stand der Region Nordschwarzwald auf Europas größter Gewerbeimmobilienmesse in der bayrischen Landeshauptstadt dabei. In diesem Jahr kamen 44 536 (2017: 41 775) Besucher aus 72 (75) Ländern, was einem Plus von 6,6 Prozent entspricht.

Angesichts der idealen Lage zwischen Stuttgart und Karlsruhe könnten Pforzheim und die umliegende Region von diesem neuen Trend profitieren, ist Eisele überzeugt. „Wir spüren den Druck, den die Immobilienwirtschaft in diesen Städten hat.“ Doch Gewerbeansiedlung für sich alleine sei nicht der Heilsbringer, es gehöre mehr dazu: Wo sich Unternehmen ansiedeln, benötigen sie laut Eisele auch bezahlbaren Wohnraum für ihre Beschäftigten. Und diese Menschen wiederum hätten Bedarf an entsprechender Nahversorgung. Erst dieser Dreiklang verspreche den Erfolg. Entsprechend präsentierten sich bis gestern unter den rund 2095 Ausstellern – darunter auch Pforzheim mit einem eigenen Messeauftritt – auf der Expo Real unter anderem Städte und Kommunen mit entsprechenden Flächenangeboten, ebenso wie der Einzelhandel, darunter Drogeriefilialist dm und Lebensmittler wie Rewe und Edeka, um nur einige zu nennen. Die Handelsriesen sind ständig auf der Suche nach geeigneten Standorten für ihre Expansionspläne.

Derweil nahm das Thema Wohnraum im mittleren Preissegment eine dominante Stelle auf der Messe ein: Ob im Konferenzprogramm oder bei Ausstellerveranstaltungen – „die Branche diskutierte intensiv, wie bezahlbares Wohnen realisiert werden kann“, heißt es im gestrigen Schlussbericht. Gunter Adler, Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, kündigte auf der Expo Real an: „Rund 1,5 Millionen Wohnungen wollen wir in dieser Legislaturperiode neu bauen, durch steuerliche Anreize und bezahlbares Bauen. Denn nur bezahlbares Bauen ermöglicht auch bezahlbares Wohnen.“ Ähnlich äußerte sich am ersten Messetag Pforzheims Bürgermeisterin Sibylle Schüssler, die bezahlbaren Wohnraum für Familien in der Goldstadt oben auf ihrer Agenda habe (die PZ berichtete).

Jochen Protzer fasst die Mammutveranstaltung der Branche so zusammen: „Kapital sucht Anlagemöglichkeiten.“ Er ist Geschäftsführer der WFG (Wirtschaftsförderung Nordschwarzwald) und hat mit seinem Team die Federführung des Messeauftritts der Region übernommen. Am Nordschwarzwaldstand präsentierten sich unter anderem Mühlacker, die Landkreise Calw und Enzkreis sowie Nagold, Freudenstadt und Horb, außerdem traditionell die Sparkasse Pforzheim Calw und der interkommunale Gewerbepark „INGpark Nagold“. „Die Region hat sehr attraktive Gewerbeflächen zu bieten“, macht Protzer deutlich. Dies den internationalen Investoren zu präsentieren, sei ein wesentlicher Bestandteil des Messeauftritts. „Die Expo Real ist ein großes Schaufenster, bei dem man dabei sein muss, um nicht unterzugehen“, erklärt er. Vertreter für industrielles und gewerbliches Bauen, für Wohnungsbauer sowie Architekten, Projektmanager und Anleger, Vermittler und Makler gäben sich in München an drei Tagen ein Stelldichein. Hier biete sich die Möglichkeit für wichtige direkte Kontakte.

Für das nächste Jahr plant Klaus Dittrich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe München, eine siebte Halle zu öffnen. Auch die Zahl der Aussteller hat sich 2018 erhöht. „2095 internationale Unternehmen, Städte und Regionen stellten aus, 2017 waren es 2003“, so Dittrich. Bemerkenswert ist die gewachsene Besucherzahl auch deshalb, weil der Eintrittspreis die Exklusivität der Messe widerspiegelt: Fürs Drei-Tage-Ticket mussten 565 Euro hingeblättert werden. Studenten wurden mit 150 Euro zur Kasse gebeten. Nach Aussage einiger Aussteller des Nordschwarzwald-Standes sei damit gewährleistet, dass nur die angepeilte interessierte Zielgruppe die Expo Real besuche.

Traditionell empfangen am Stand der Region wurde Katrin Schütz (CDU), Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg. Sie nahm sich viel Zeit, um mit den Vertretern des Nordschwarzwaldes zu diskutieren.