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Deutsche Güter sind weltweit gefragt, wie die hohen Umschlagszahlen am Hamburger Containerhafen zeigen. DPA-Archiv
Deutsche Güter sind weltweit gefragt, wie die hohen Umschlagszahlen am Hamburger Containerhafen zeigen. DPA-Archiv
25.11.2015

Exporte wachsen, doch Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück

Frankfurt. Niedrige Zinsen, schwacher Euro – das sind theoretisch beste Bedingungen für eine Exportnation wie Deutschland. Das billige Geld sollte Unternehmen zum Investieren anregen.

Und von der Schwäche der Gemeinschaftswährung profitieren Unternehmen, die viel ausführen, denn ihre Waren werden auf dem Weltmarkt günstiger.

Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit: Wegen der Flaute in wichtigen Absatzmärkten halten sich Firmen damit zurück, Geld in Maschinen und Geräte zu stecken. Und die meist in US-Dollar gehandelten Rohstoffe für die Industrie verteuern sich tendenziell – auch wenn sich dieser Effekt dank des niedrigen Ölpreises bislang in Grenzen hält. „Der günstige Euro und die niedrigen Rohstoffpreise werden nicht ewig den Wachstumskurs unserer Außenwirtschaft stützen“, mahnt Außenhandels-Präsident Anton F. Börner: „Daher ist es umso wichtiger, dass die in Europa so nötigen Strukturreformen zur Lösung der Euroschuldenkrise endlich eingeleitet und umgesetzt werden.“

Für die deutsche Wirtschaft lieferte der traditionell starke Export schon im Sommer unter dem Strich keine Impulse. Zwar stiegen die Ausfuhren leicht, die Importe kletterten jedoch deutlich rasanter. Das moderate Wachstum von 0,3 Prozent zum Vorquartal verdankt Europas größte Volkswirtschaft daher vor allem konsumfreudigen Verbrauchern und einem Staat, der zum Beispiel für die Unterbringung Zehntausender Flüchtlinge kräftigt investieren muss.

Lockerer Kurs der EZB

Nach dem jüngsten Euro-Kursrutsch steigen die Chancen, dass der Außenhandel wieder zur Konjunkturstütze wird. Experten erwarten, dass der Euro noch einige Zeit schwächelt. Vor allem, weil die Europäische Zentralbank (EZB) ihre ohnehin extrem großzügige Geldpolitik schon im Dezember noch weiter lockern dürfte, während die US-Notenbank Fed vermutlich die Leitzinsen erstmals seit Jahren anheben dürfte. „Ein realistisches Szenario für die kommenden sechs Monate ist, dass die Divergenz in der Geldpolitik der Notenbanken zu einer Aufwertung des Dollar führt“, analysiert Chris Iggo von AXA Investment Managers. Schon mehrfach hat Europas oberster Währungshüter Mario Draghi ganz offen eine Ausweitung des billionenschweren EZB-Anleihekaufprogramms ins Spiel gebracht. Weil die Fed die Leitzinsen mittelfristig aber auf über ein Prozent erhöhen dürfte, würde der Kurs des Euro weiter unter Druck geraten, ist Experte Jan Holthusen von der DZ Bank überzeugt.

So oder so: Für Deutschlands Exportwirtschaft ist der schwache Euro ein Segen. Denn ihre Produkte werden auf den Weltmärkten billiger. Allianz-Ökonom Rolf Schneider ist daher zuversichtlich: „Wir rechnen damit, dass der Export im Jahresendquartal – unterstützt durch die niedrige Bewertung des Euro – wieder an Schwung gewinnt.“

Ohnehin befinden sich die Exporteure auf Rekordkurs, obwohl das Russlandgeschäft eingebrochen ist und die Nachfrage aus China und anderen Schwellenländern schwächelt. Das dürfte vor allem an der kräftig steigenden Nachfrage aus den USA liegen. Darauf deuten jedenfalls Zahlen wichtiger Schlüsselindustrien hin: Die Elektrobranche steigerte ihre US-Exporte in den ersten neun Monaten 2015 um 17,9 Prozent, die Maschinenbauer um 14,2 Prozent.

Anfang der Woche war der Euro auf unter 1,06 Dollar gefallen. Anfang 2015 lag er bei 1,21 US-Dollar.