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09.08.2017

Exportweltmeister gibt Gas: Deutschland von protektionistischen Tönen und Brexit unbeeindruckt

Frankfurt. Waren „Made in Germany“ sind im Ausland gefragt. Deutschlands Maschinenbauer, Autohersteller und Co. profitieren von der Erholung der Weltkonjunktur und dem robusten Wirtschaftswachstum in Europa, die Nachfrage steigt. Trotz einer Delle im Juni legten die Ausfuhren des Exportweltmeisters im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr nochmals um 6,1 Prozent auf 638,4 Milliarden Euro zu. Ein Jahr zuvor hatte es nur ein Plus von 1,4 Prozent gegeben. Die Risiken sind allerdings gestiegen – und das liegt nicht nur am stärkeren Euro.

Beunruhigt sind deutsche Unternehmen vor allem über die wachsende Zahl von Handelsbarrieren im internationalen Geschäft. Nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) ist nahezu jedes vierte der im Ausland tätigen Unternehmen (23 Prozent) besorgt über Abschottung und eine Bevorzugung heimischer Unternehmen. „Die Zunahme von Handelshemmnissen und protektionistische Tendenzen wie die „America First“-Strategie der Trump-Regierung sorgen für mehr Unsicherheit“, heißt es in der Umfrage. Auch die jüngsten Sanktionen der USA gegen Russland und Iran beunruhigen die Wirtschaft. Washingtons Strafmaßnahmen gegen die beiden Länder könnten sich auf deutsche und europäische Unternehmen negativ auswirken, fürchtet der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). „Dieses Vorgehen bedroht die partnerschaftliche Zusammenarbeit im transatlantischen Verhältnis“, warnt BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang.

Aus den USA kommt seit dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump immer wieder Gegenwind für den Freihandel, etwa die Drohung, hohe Zölle auf Importwaren zu erheben. Zugleich sorgt Deutschlands Exportstärke in Washington für besonders scharfe Kritik. Europas größte Volkswirtschaft führt seit längerem mehr aus als sie einführt. Mögliche Handelshemmnisse in den USA könnten deutsche Exporteure empfindlich treffen. 2016 waren die Vereinigten Staaten erneut der wichtigste Einzelmarkt für Produkte „Made in Germany“.

Wichtigster Handelsraum für Deutschland ist allerdings Europa. Mehr als die Hälfte der Exporte geht in die Europäische Union (EU). Die Voraussetzungen für anhaltende Nachfrage nach Maschinen, Autos und anderen Waren aus Deutschland sind gut: Die Wirtschaft in der EU und im Euroraum wächst robust, die Arbeitslosigkeit sinkt.

Nach Einschätzung von ING-Diba-Chefvolkswirt Carsten Brzeski gibt es trotz enttäuschender Juni-Zahlen – gegenüber dem starken Mai sanken die Exporte saisonbereinigt um 2,8 Prozent – keine Hinweise auf eine Abkühlung der deutschen Wirtschaft. „Die Spannungen mit der neuen US-Regierung, die Unsicherheiten wegen des Brexits und die Aufwertung des Euro vor allem gegenüber dem US-Dollar und dem britischen Pfund haben den deutschen Export nahezu unbeeinträchtigt gelassen.“

Steigt der Kurs des Euro gegenüber Dollar und Co., verteuern sich Produkte aus Deutschland tendenziell auf dem Weltmarkt. Das kann die Nachfrage dämpfen. In der Vergangenheit habe sich der deutsche Export allerdings ziemlich robust gegenüber Währungsschwankungen erwiesen, argumentiert Brzeski.

Die Unternehmen lassen sich die Laune von dem stärkeren Euro bisher jedenfalls nicht verderben – im Gegenteil. Nach Angaben des Ifo-Instituts sind Deutschlands Exporteure in Hochstimmung. Nahezu alle wichtigen Branchen in der Industrie gingen im Juli demnach von besseren Geschäften im Ausland aus. Besonders kräftig wuchs der Optimismus zuletzt in der Chemieindustrie, aber auch Autohersteller und Elektroindustrie rechnen mit steigenden Ausfuhren.