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Bei der Firma Kramski aus Pforzheim werden Maximilian Vlacic (Stanz- und Umformmechaniker) und Jennifer Niess (Verfahrensmechanikerin für Kunststoff- und Kautschuktechnik) ausgebildet. Fachkräfte sind unter anderem in technischen Berufen stark gefragt. Foto: Ketterl, Archiv
Bei der Firma Kramski aus Pforzheim werden Maximilian Vlacic (Stanz- und Umformmechaniker) und Jennifer Niess (Verfahrensmechanikerin für Kunststoff- und Kautschuktechnik) ausgebildet. Fachkräfte sind unter anderem in technischen Berufen stark gefragt. Foto: Ketterl, Archiv
31.08.2017

Fachkräftemangel weitet sich aus: Bis 2040 könnten in Deutschland 3,3 Millionen Qualifizierte fehlen

Nürnberg/Berlin. Ohne schnelles Umsteuern droht der deutschen Wirtschaft nach Einschätzung von Arbeitsmarkt- und Bevölkerungsforschern eine große Fachkräftelücke. Allein bis 2030 könnte sich die Zahl der fehlenden Facharbeiter, Techniker, Forscher und medizinischen Fachkräfte auf bis zu drei Millionen belaufen und bis 2040 auf 3,3 Millionen, geht aus einer gestern veröffentlichten Studie des Basler Forschungsinstitut Prognos hervor. Politik und Wirtschaft verfügten aber über passende Mittel, um diese negative Entwicklung zu verhindern.

Das Bundeskabinett befasste sich gestern im Rahmen des Fortschrittsberichts mit den erwähnten Prognos-Zahlen und der Sicherung der Fachkräfte in Deutschland. Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sagte: „Stillstand und Nichtstun sind in Anbetracht des Wandels der Arbeit der Zukunft grob fahrlässig.“ Es sind hauptsächlich Gesundheits- und Pflegeberufe sowie technische Berufe, in denen akademische und nichtakademische Fachkräfte knapp seien.

Zunehmende Überalterung

Als Hauptgrund für den drohenden Mangel führt Prognos die zunehmende Überalterung der deutschen Gesellschaft an: „Im Zuge des demografischen Wandels wird sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren erheblich verschärfen“, betont Studienautor Oliver Ehrentraut. Auch wenn man inzwischen nicht mehr mit einem so starken Schrumpfen der Bevölkerung rechne: Die Zahl der Menschen im arbeitsfähigen Alter werde dennoch weiter kräftig sinken – um gut zehn Prozent bis zum Jahr 2040. Hinzu komme, dass mit dem wachsenden internationalen Wettbewerb, anderem Konsumverhalten und der Digitalisierung in fast allen Wirtschaftsbereichen manche Berufe nach und nach an Bedeutung verlieren würden. Umgekehrt werde es an Menschen mit dem künftig dringend gefragten Fachwissen fehlen. Laut der Vorhersage der Forscher werden Sicherungs- und Überwachungstätigkeiten wegfallen. Auch Lastwagenfahrer und Packer müssten damit rechnen, dass ihre Arbeit künftig von Robotern und Automaten erledigt werde.

Ärzte und Pfleger gesucht

Gleiches gelte für Buchhalter, Kreditsachbearbeiter und Immobilienmakler: Elektronische Systeme dürften solche Berufe langfristig ersetzen. Dagegen werde es schon 2020, stärker aber bis 2030 einen Mangel an Managern, Forschern, Ingenieuren, Ärzten, Pflegern und medizinischen Assistenten geben, in geringem Umfang an Kreativen und Journalisten. Um die Fachkräftelücke zu verkleinern oder zu schließen, sprechen sich die Baseler Bevölkerungsforscher auch für eine „Bildungsoffensive“ aus: Vor allem die Ausbildung müsse gefördert werden, um mehr jungen Menschen zu einem Berufsabschluss zu verhelfen. Erforderlich sei ferner eine ständige Weiterbildung im Beruf.