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Setzen auf den vielfältigen Einsatz von Edelmetallen (von links): Geschäftsführer Wilfried Held mit dem Vorsitzenden der Fachvereinigung, Georg Steiner, und dessen Stellvertreter Franz-Josef Kron. Foto: Gebert
Setzen auf den vielfältigen Einsatz von Edelmetallen (von links): Geschäftsführer Wilfried Held mit dem Vorsitzenden der Fachvereinigung, Georg Steiner, und dessen Stellvertreter Franz-Josef Kron. Foto: Gebert
Gold hat weiterhin den Ruf eines sicheren Hafens. Allerdings investieren die US-Investoren aktuell lieber in Aktien und Immobilien. Foto: Gebert
Gold hat weiterhin den Ruf eines sicheren Hafens. Allerdings investieren die US-Investoren aktuell lieber in Aktien und Immobilien. Foto: Gebert
28.02.2018

Fachvereinigung sieht steigende Nachfrage nach Edelmetallen

Pforzheim. Franz-Josef Kron, Vorstandschef der Allgemeine Gold- und Silberscheideanstalt AG in Pforzheim – kurz Agosi – sieht das Umfeld der deutschen Edelmetallwirtschaft weiterhin als herausfordernd an. Allerdings behaupte sich die Branche nach wie vor gut. 34 führende Unternehmen sind in der Fachvereinigung Edelmetalle mit Sitz in der Goldstadt organisiert. Deren Abnehmer sind vorwiegend die Automobil-, Elektronik-, sowie die Chemie- und die Schmuckindustrie.

Während die Konjunktur dort brummt, ist das Geschäft mit Barren und Münzen leicht rückläufig, berichtet Kron als stellvertretender Vorsitzender der Fachvereinigung. Trotz des soliden Rufs von Gold und Silber als „sicherer Hafen“ in Zeiten politischer und wirtschaftlicher Unsicherheiten, hielten sich die Investoren besonders in den USA zurück. In den Investmentbereich fließen rund ein Viertel des Goldes, zehn gehen in den industriellen Bereich. Die Recyclingmengen blieben jedoch auch bei schwankenden Preisen stabil. Aktuell kostet ein Gramm Feingold etwas mehr als 34 Euro.

Die dekorativen Anwendungen (Schmuck, Uhren, Lifestyle) verarbeiten über die Hälfte des am Markt verfügbaren Goldes, erklärt Kron. Dem Recycling komme ein bedeutender Anteil an der weltweiten Goldversorgung zu, betont Kron. Die physische Goldnachfrage stieg 2017 um zehn Prozent, die Gesamtproduktion dagegen nahm um 3,5 Prozent ab. Der globale Bedarf beträgt rund 4410 Tonnen. Davon werden 1250 Tonnen aus dem Recycling gedeckt. Darin spiegeln sich auch die Bemühungen von internationalen Initiativen „konfliktfreies“ Gold aus ethisch einwandfreien Quellen und verantwortungsvoller Herstellung anzubieten.

Wilfried Held, Geschäftsführer der Fachvereinigung Edelmetalle, weist indes auf Handelshemmnisse bei der Einfuhr von Recyclingmaterialien hin. Durch einen hohen Verwaltungsaufwand bei der Einfuhrabwicklung edelmetallhaltiger Schrotte entstehe ein hoher Zeitverlust. Die Verzögerungen verursachen bei den hohen Werten der Edelmetalle so erhebliche Kosten, dass ausländische Kunden überlegen, ihr Material woanders als in Deutschland aufarbeiten zu lassen. Die Fachvereinigung fordert daher für Scheideanstalten eine Betriebserlaubnis nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz als „verlässliche Betriebe“, was den bürokratischen Prüfaufwand reduziere.

Über die Hälfte des Silberbedarfs geht in Industrieanwendungen mit stabilem Absatz wie Elektrotechnik/Elektronik, Verbindungstechnik, Fotovoltaik und Chemie. „In Deutschland konnte 2017 eine Steigerung von acht Prozent verzeichnet werden.“ In Schmuck und Silberwaren fließen rund 25 Prozent des weltweiten Silberverbrauchs. Zur globalen Silberproduktion (rund 31 850 Tonnen) trägt das Recycling immerhin 5000 Tonnen bei“, erläutert Kron.

Edelmetalle wie Platin und Palladium werden vorwiegend in Autoabgas-Katalysatoren, Brennstoffzellen und der Elektronik verwendet. Der Trend weg von Diesel- und hin zu Benzinmotoren habe die Nachfrage nach Palladium verstärkt und die Preise massiv nach oben getrieben.

Weniger Gold im Mund

Bei Schmucklegierungen wurde laut Georg Steiner, Geschäftsführer der Pforzheimer Scheideanstalt Heimerle+Meule, der langanhaltende Abwärtstrend gestoppt. Es konnten insgesamt knapp 2,3 Tonnen mehr an Goldlegierungen verkauft werden, davon annähernd zwei Tonnen mehr in 18 Karat. Der Absatz von Dentallegierungen war laut Steiner weiter stark rückläufig. Preisgünstigere Alternativen hätten endgültig die Versorgung mit Zahnersatz erobert. „Insbesondere Kronen und Brücken aus Zirkonoxid und verschiedensten Keramikprodukten haben die Edelmetalle verdrängt.“ In den vergangenen 20 Jahren hätte sich die benötigten Mengen von 40 auf 3,7 Tonnen verringert.