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Das Geld verliert an Wert, warnt Professor Dirk Wentzel (rechts). Stefan Saile und Sieghardt Bucher (links) von der Sparkasse Pforzheim Calw geben ihm Recht und raten zur breiten Streuung der Kapitalanlage. Foto: Ketterl
Das Geld verliert an Wert, warnt Professor Dirk Wentzel (rechts). Stefan Saile und Sieghardt Bucher (links) von der Sparkasse Pforzheim Calw geben ihm Recht und raten zur breiten Streuung der Kapitalanlage. Foto: Ketterl
09.05.2018

Finanzforum der Sparkasse Pforzheim Calw: Professor Wentzel rät zur aktiven Kapitalanlage

Pforzheim. Nachdem die Zinswende in den USA bereits eingeläutet wurde, steigen jetzt langsam auch die Zinsen in Europa. „Doch die Hoffnungen auf kräftige Zinserhöhungen stehen vor dem Hintergrund der hohen Verschuldung vieler europäischen Länder auf tönernen Beinen“, betont Sparkassendirektor Sieghardt Bucher. Das heißt nichts anderes, als dass deutsche Sparer in Form niedriger Zinsen weiter dafür zahlen werden. Dazu komme die steigende Inflation.

„Nichts tun, wäre fatal“, warnt Wentzel, Professor für Volkswirtschaftlehre und Europäische Wirtschaftsbeziehungen. „Geld wächst nicht auf Bäumen. Der Anleger muss sich aktiv um die Geldanlage bemühen.“ Denn das Vermögen der deutschen Sparer verliert seit Jahren an Wert – egal, ob es im Sparstrumpf steckt oder auf Tagesgeldkonten schlummert. Zwar wuchs das private Vermögen der Deutschen um rund 300 Milliarden Euro, doch davon profitierten vorwiegend Besitzer von Aktien, Fonds und Zertifikaten, ergänzt Bucher. Durch die Inflation liegt der Realzins bei minus 0,8 Prozent. Das führte zu einem Wertverlust von 38 Milliarden Euro. „Sparer müssen zu Anlegern werden, um ihr Geld zu vermehren“, sagt Stefan Saile, Bereichsdirektor Private Banking. Denn nur zwölf Prozent des privaten Geldvermögens sind derzeit in Aktien investiert. 75 Prozent stecken in Geldanlagen und Versicherungen, die unter dem Nullzins inflationsbedingt (1,8 Prozent) schrumpfen. Für einen Vermögenserhalt müssten deshalb 2,6 Prozent Ertrag erwirtschaftet werden. Und das funktioniert nur mit einer breiten Streuung (Aktien, Fonds, Immobilien, Gold). Und fünf Jahre sollte man das angelegte Geld schon liegenlassen können. Langfristig hätten Aktien (der Dax feiert gerade sein 30-jähriges Bestehen) eine durchschnittliche Rendite von rund acht Prozent gebracht.

„Zinswende in Sicht, was heißt das für ihre Vermögensanlage?“, lautete der Titel des Finanzforums 2018 der Sparkasse Pforzheim Calw im CongressCentrum Pforzheim. „Auf der Suche nach Renditechancen ist es wichtig, sich mit den aktuellen Veränderungen auf den Märkten zu beschäftigen“, erläuterte eingangs Moderator Uwe Bettendorf, Wirtschaftsredakteur beim Südwestrundfunk (SWR).

Während die deutsche Volkswirtschaft brummt („wir stehen gut da“), sieht Professor Wentzel aktuell die größten Gefahren im eskalierenden Handelskrieg zwischen USA und China. „Trump beschäftigt uns alle“. Denn auch Europa steht im Fokus der US-amerikanischen Handelspolitik. Sollten BMW und Daimler mit Strafzöllen überzogen werden, trifft das die deutsche Exportwirtschaft hart.

Kein Anlass für Schwarzmalerei

30 Prozent des globalen Handelsvolumens werden zwischen Europa und den USA erzielt. „Die USA sind das wichtigste Exportland für die EU.“ Deshalb müsse sich Europa einig sein und dem US-Präsidenten die Stirn bieten. Gegenmaßnahmen seien Strafzölle auf bestimme US-Produkte. Allerdings dürfe man nicht übertreiben, denn „die Protektionsspirale ist eine Bedrohung für die Weltwirtschaft“. Ein Handelskrieg könne die Aktienkurse belasten. Andererseits sei in Deutschland die wirtschaftliche Lage stabil, zur Schwarzmalerei bestehe kein Anlass.