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Mustafa Koc, Anwar Jamil, Pratheepan Kamalhenthiram und Dawod Khalaf (von links) haben ihre Chance genutzt.
Mustafa Koc, Anwar Jamil, Pratheepan Kamalhenthiram und Dawod Khalaf (von links) haben ihre Chance genutzt.
Personalleiter Norman Gutscher, Produktionshelfer Anwar Alkaddah, Christian Marquardt vom Jobcenter Pforzheim, und Jochen Ulmer, G.RAU-Geschäftsbereichsleitung Halbzeuge.  Valerie Schempf
Personalleiter Norman Gutscher, Produktionshelfer Anwar Alkaddah, Christian Marquardt vom Jobcenter Pforzheim, und Jochen Ulmer, G.RAU-Geschäftsbereichsleitung Halbzeuge. Valerie Schempf
16.09.2016

Firma G.RAU stellt fünf Flüchtlinge als Produktionshelfer ein.

Plötzlich hatte die Personalleitung von G.RAU sogar die Qual der Wahl: Von den elf eingeladenen Job-Kandidaten mussten Norman Gutscher und Jochen Ulmer fünf auswählen, die als Produktionshelfer in dem traditionsreichen Metallbetrieb in Frage kamen. Es sind jedoch keine gewöhnlichen Jobsuchenden. Es sind Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak.

Plötzlich hatte die Personalleitung von G.RAU sogar die Qual der Wahl: Von den elf eingeladenen Job-Kandidaten mussten Norman Gutscher und Jochen Ulmer fünf auswählen, die als Produktionshelfer in dem traditionsreichen Metallbetrieb in Frage kamen. Es sind jedoch keine gewöhnlichen Jobsuchenden. Es sind Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak. Alle fünf machten zunächst ein dreieinhalbwöchiges Praktikum. Für sie eine große Chance für den beruflichen Einstieg. Am 1. September wurden sie tatsächlich bei G. RAU eingestellt. „Ich kann endlich meine Familie ernähren“, freut sich Anwar Alkaddah (42) aus Syrien, der schon einige Jahre in Deutschland lebt.

Unter Anleitung eines deutschen Kollegen hilft er beim Umformen von Metall – aus schweren Stücken entstehen in der tonnenschweren Walze dünne Bahnen, die für Stanzbänder benötigt werden. Er und seine Kollegen bekamen bislang vom Jobcenter Pforzheim Hartz IV. Insgesamt sind aktuell 600 Personen, darunter auch viele Kinder und Jugendliche im Leistungsbezug. Aufgrund der großen Zahl von Asylbewerbern aus Kriegsgebieten dürfte diese Zahl in den kommenden Monaten auf bis gut 2000 Hartz-IV-Bezieher steigen, schätzt Natalie Hohenstein, stellvertretende Amtsleiterin.

„Wir würden auch gerne höherqualifizierte Bewerber einstellen“, sagt Ulmer. Doch Studenten und Facharbeiter sind nicht darunter – der Großteil ist eher als bildungsfern einzustufen, was die berufliche Qualifikation angeht. Metallbearbeitung ist der Schlüssel zur Beschäftigung.

„Ihre Motivation ist hoch“, freut sich Gutscher. Das größte Problem für die rasche Eingliederung ist die Sprache. „Wir sind ein deutsches Unternehmen und die Anweisungen im betrieblichen Ablauf sind alle auf deutsch dokumentiert.“ Zwar haben Asylbewerber Anspruch auf 600 Stunden Deutschunterricht. Doch das kann nur eine erste Grundlage sein. „Manche ausländische Mitarbeiter haben auch noch nach vielen Jahren mit der deutschen Sprache Probleme“, weiß Gutscher. „Wir schaffen das nur, wenn wir es wirklich wollen“, macht Ulmer deutlich. Auch Betriebsrat, Meister und Kollegen ziehen mit. Lob hat er für Christian Marquardt vom Jobcenter, der die Auswahl der Bewerber traf. Ein Dolmetscher hilft bei Verständigungsproblemen.

Die Geschäftsleitung will in einigen Monaten eine weitere Einstellungsrunde wagen. Der Zeitaufwand ist hoch, im Unternehmen und bei den Sachbearbeitern im Jobcenter oder der Arbeitsagentur. Es geht darum, neben den handwerklichen Fertigkeiten auch Werte und technische Ansprüche zu vermitteln. Sie müssen auch den deutschen Arbeitsmarkt kennenlernen. „Die neuen Kollegen sind pünktlich, engagiert und wollen arbeiten und Erfolg haben.“ Weitere Perspektive wäre eine berufliche Ausbildung – doch da fehlen jetzt noch die nötigen Voraussetzungen. Vielleicht bietet auch das Projekt WeGeBau eine Chancen, um auch Geringqualifizierte in Beschäftigung zu bringen.