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Geduld ist bei der Beantragung der Soforthilfe erforderlich.  Foto: Moritz 

Firmen setzen auf die rettende Finanzspritze: Großer Ansturm kleiner Unternehmen auf die Corona-Hilfe des Landes

Pforzheim. Überstunden in Corona-Zeiten – eigentlich ungewöhnlich, wenn man nicht gerade in systemrelevanten Branchen arbeitet. Viele Kleinunternehmer und Solo-Selbstständige saßen am Mittwochabend trotzdem bis in die Nacht vor dem Computer. Das Ziel die Homepage des Wirtschaftsministeriums „bw-soforthilfe.de“, denn nur dort kann der Antrag auf finanzielle Soforthilfe gestellt werden. Der Server war hoffnungslos überlastet. Voraussetzung sind „wirtschaftliche Schwierigkeiten in Folge von Corona“, die im Antrag versichert werden müssen. Die Betroffenen dürfen vor März 2020 nicht in wirtschaftlichen Schwierigkeiten gewesen sein, der Schaden muss nach dem 11. März 2020 eingetreten sein.

Erste Gelder des Landes für Unternehmen in der Corona-Krise könnten bereits am Freitag fließen. Bis Donnerstagnachmittag hatten rund 46.000 Selbstständige und kleine Unternehmen im Südwesten Online-Anträge auf Nothilfe gestellt. Pro Stunde kämen rund 6000 hinzu, hieß es beim Wirtschaftsministerium. 

„In einem ersten Schritt geht es jetzt darum, mit unserem Sofortprogramm all jenen Unternehmen zu helfen, die ohne diese Unterstützung innerhalb weniger Tage insolvent gehen würden“, sagte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU). Es müsse klar sein, dass es nicht darum gehe, den Betrieben ihre coronabedingten Umsatzeinbußen auszugleichen, sondern existenziell bedrohten Betrieben zu helfen, Rechnungen zu bezahlen, Mieten zu überweisen und zu überleben.

Selbstständige ohne Angestellte und Firmen mit bis zu fünf Beschäftigten, die unter den Folgen der Corona-Krise leiden, können einmalig bis zu 9000 Euro erhalten, die sie nicht zurückzahlen müssen. Für Firmen mit weniger als zehn Beschäftigten gibt es maximal 15.000 Euro. Betriebe mit bis zu 50 Beschäftigten sollen bis zu 30.000 Euro bekommen können.

Im Internet berichteten Nutzer von Problemen mit der Plattform, über die die Anträge elektronisch gestellt werden können. Auch am Donnerstagmorgen war die Seite zeitweise nicht zu erreichen. Das Ministerium sprach bei Twitter von Server-Problemen bei der IHK.

Es gibt auch Kritik an der Verteilung der Fördermittel. „Was uns enttäuscht, sind die faktischen Ausschlüsse sehr vieler Gewerbetreibender von den Hilfsmaßnahmen,“ erklären die FDP-Landtagsabgeordneten Erik Schweickert und Hans-Ulrich Rülke. Man müsse als Selbstständiger zumindest ein Drittel des Nettoeinkommens eines Haushalts erwirtschaften, um überhaupt antragsberechtigt zu sein, heißt es in den vom Wirtschaftsministerium bekanntgegebenen Richtlinien. Dadurch würden insbesondere diejenigen Jungunternehmer benachteiligt, die sich neben der Kindererziehung etwas aufgebaut hätten, so Rülke und Schweickert. „Es werden haufenweise Startups damit platt gemacht.“

Probleme mit der Förderung bitte melden

Die Politik hat in der Corona-Krise schnell gehandelt. Doch bei der raschen Umsetzung hakt es: Die Soforthilfen und Beihilfen  für Unternehmen müssen beantragt und geprüft werden. Das ganze Prozedere droht sich zu einem bürokratischen Monstrum zu entwickeln.

Die PZ will Unternehmen in Pforzheim und dem Nordschwarzwald gerne helfen. Deshalb der Aufruf: Melden Sie sich bei uns und erzählen Sie uns, ob und wie Ihrem Unternehmen tatsächlich geholfen wird. Mögliche Themen könnten die Beantragung von Kurzarbeit, Soforthilfen zur Liquiditätserhaltung und Bürgschaftskredite sein. Ihre Anfrage richten Sie bitte an wirtschaft@pz-news.de.