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Die Handwerkskammer ist mit dem Jahr 2018 zufrieden: Gerd Lutz (links) und Joachim Wohlfeil. Foto: Ketterl
Die Handwerkskammer ist mit dem Jahr 2018 zufrieden: Gerd Lutz (links) und Joachim Wohlfeil. Foto: Ketterl
Die Frauenquote bei Lehrlingen liegt seit Jahren konstant bei 20 Prozent. Bei der Wahl der Ausbildung nehmen technische Berufe zu, wie etwa Dachdecker, Steinmetz und Schreiner. Foto: Büttner
Die Frauenquote bei Lehrlingen liegt seit Jahren konstant bei 20 Prozent. Bei der Wahl der Ausbildung nehmen technische Berufe zu, wie etwa Dachdecker, Steinmetz und Schreiner. Foto: Büttner
21.02.2019

Fleißarbeit beim Handwerk zahlt sich aus

Enzkreis/Pforzheim/Karlsruhe. Die Handwerkskammer Karlsruhe ist zufrieden. Über einen Abschwung in den Gewerben können sich Hauptgeschäftsführer Gerd Lutz und Präsident Joachim Wohlfeil bei der Jahrespräsentation für die Region Nordschwarzwald im „Haus der Handwerks“ nicht beklagen. Knapp 80 Prozent der Betriebe bezeichneten die Geschäftslage zum Ende des Jahres 2018 als gut. Selbst die unsicheren Prognosen für die Weltwirtschaft lassen das Handwerk nicht aus der Ruhe bringen. „Wir arbeiten fleißig weiter,“ sagt Wohlfeil.

Die Firmen in den Städten Pforzheim, Karlsruhe und Baden-Baden sowie im Enzkreis und den Landkreisen Karlsruhe, Calw und Rastatt beschäftigten im Vorjahr 100.000 Menschen, die 13 Milliarden Euro umgesetzt haben. Die positive Entwicklung hätte allerdings einen Dämpfer: Es fehlen Fachkräfte. „Vor allem im Baugewerbe. Und das wirkt sich auf die Aufträge aus.“

Damit das Handwerk weiterhin gut aufgestellt ist, appelliert die Handwerkskammer vor der Kommunalwahl am 26. Mai an die Politik, mehr Flächen für Gewerbe und Wohnen bereitzustellen, den Ausbau vom schnellen Internet voranzutreiben und gerade die Schulen für den digitalen Wandel besser zu wappnen. Zudem soll keine wirtschaftsfeindliche Mobilitätspolitik betrieben werden. Sprich: Die Fahrverbote aufgrund des Diesel-Skandals müssten überdacht werden. Viele Betriebe im Kammerbezirk arbeiten bereits mit Sondergenehmigungen. Für Lutz und Wohlfeil sei das „unzumutbar“. Und: „Mit Fahrrädern kann man vielleicht gut Brötchen ausliefern. Für größere Zulieferer ist das nicht möglich.“

Neben den bürokratischen Hemmnissen bereite vor allem in nahezu allen Gewerken die Unternehmensübernahme große Probleme. Denn 38 Prozent der Betriebsinhaber sind älter als 56 Jahre. „Das ist ein starkes Drittel, deshalb haben wir dieses Thema in den Vordergrund unserer Arbeit gestellt.“ Die Nachfolgeproblematik treffe vor allem Firmen, die einen Meisterbrief führen und somit auch ausbilden können. Dass eine Nachfolge nicht kurzfristig gelöst werden kann, hebt Lutz hervor: „Es bedarf einer langen Vorbereitung. Selbst Betriebe, die erfolgreich auf dem Markt bestehen, müssen schließen, weil die Suche nach einem Nachfolger erfolglos bleibt.“ Aus diesem Grund bietet die Handwerkskammer zahlreiche Veranstaltungen an.

Diesen Trend verdeutlichen auch die Mitgliederzahlen. Zwar wurde 2018 der neue Höchststand von 19073 Betrieben erreicht. Der Anstieg ist aber auf das zulassungsfreie Handwerk, sogenannte Ein-Mann-Betriebe, zurückzuführen. Bei diesen Berufen herrscht keine Meisterpflicht. Bei den Gebäudereinigern (+58), Fotografen (+66) und Kosmetikern (+127) gab es den größten Zulauf, berichtet die Kammer. Das zulassungspflichtige Handwerk, das Mitarbeiter ausbildet und beschäftigt, verbuchte dagegen Rückgänge. Auf den Kammerbezirk verteilt sind das: Pforzheim 1493 Betriebe (+14), Enzkreis 2734 (+4), Landkreis Calw 2229 (+3), Karlsruhe (+5). Landkreis Karlrsruhe 6146 (+71), Landkreis Rastatt 2644 (+31) und Baden-Baden (+24).