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Gerade mal zwei Wochen her: Flugbegleiter bei einem Demonstrationszug vor der Lufthansa-Zentrale in Frankfurt.  Rumpenhorst, Gambarini
Gerade mal zwei Wochen her: Flugbegleiter bei einem Demonstrationszug vor der Lufthansa-Zentrale in Frankfurt. Rumpenhorst, Gambarini
24.11.2015

Flugbegleiter der Lufthansa legen erneut die Arbeit nieder

Frankfurt. Die Lufthansa kommt auch in der Adventszeit nicht aus ihren Dauerstreiks heraus. Statt friedlicher Gespräche auf einem sogenannten Jobgipfel steht nach der jüngsten Drohung der Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo abermals ein Arbeitskampf an.

Noch in dieser Woche, am Donnerstag und am Freitag, wollen die Flugbegleiter wieder ihre Rollkoffer stehenlassen und stattdessen für ihre Altersversorgung demonstrieren. Sollte das Unternehmen weiterhin hart bleiben, drohen sie zudem mit weiteren Streiks am kommenden Montag – und den ganzen Dezember über.

Nicht einmal zwei Wochen ist es her, dass die eigentlich als moderat geltende Ufo den längsten Ausstand in der Geschichte der Lufthansa durchgezogen hat. 4700 abgesagte Flüge mit 554 000 betroffenen Passagieren innerhalb einer Woche schwächten den ohnehin schon angeschlagenen Zuverlässigkeits-Nimbus der Kranichlinie weiter. Denn zuvor hatten bereits die Piloten seit April 2014 in 13 Wellen ihre Arbeit niedergelegt und dem Unternehmen einen Schaden von rund 350 Millionen Euro zugefügt.

An der Streikfähigkeit der Spartengewerkschaften Vereinigung Cockpit (VC) und Ufo konnte also kein vernünftiger Zweifel bestehen. Dennoch ist es dem Vorstand nicht gelungen, sie zusammen mit der für das Bodenpersonal zuständigen Verdi an an einen runden Tisch zu bekommen. Am 2. Dezember sollte dort über die Rentenfragen für alle Beschäftigten genauso gesprochen werden wie über die Zukunft aller Lufthansa-Jobs. Anstelle des angestrebten „gemeinsamen Verständnisses“ über die Situation von Unternehmen und Mitarbeitern herrscht aber weiterhin abgrundtiefes Misstrauen untereinander. Es wurden kleinliche Gefechte um eine mögliche Tagesordnung geführt, die schließlich zu Absagen seitens der VC und Ufo führten.

„Die Lufthansa versucht, die Regeln zu verändern“, glaubt Ufo-Chef Nicoley Baublies nach den Erfahrungen aus der Streikwoche. Das Management sei bei Flugbegleitern wie Piloten gleichermaßen entschlossen, sich nicht von den Streiks beeindrucken zu lassen. „Sie wollen Ohnmacht bei den Mitarbeitern produzieren.“

Tatsächlich scheint die Lufthansa-Führung stärker denn je entschlossen, den so heftig bekämpften Konzernumbau durchzuziehen. Vorstandschef Carsten Spohr hatte noch mitten im Arbeitskampf seinen harten Sparkurs bekräftigt. Dieser sei notwendig, um Investitionen in die Zukunftsfähigkeit des Konzerns auch künftig bezahlen zu können. Auch vom Ausbau der strikt auf billig getrimmten Tochter Eurowings will er sich nicht abbringen lassen. Die geplante Tarifflucht nach Österreich hatte die Gewerkschaften besonders empört.