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Stolz auf die EU-Förderung (von links): Geschäftsführer Michel Barkhoff, der Mediziner Gero Leneweit sowie Rainer Scheer und Ulrike Brandauer (Carus-Institut).  Foto: Meyer 

Forschung gegen den Krebs: Pforzheimer Firma Abnoba koordiniert EU-Projekt

Niefern-Öschelbronn. Wenn man bedenkt, in welcher Rekordzeit ein Corona-Impfstoff auf den Markt gebracht werden soll, so mutet das Forschungsvorhaben der Pforzheimer Firma Abnoba eher bescheiden an. Medizinisch könnte das Vorhaben aber bahnbrechende Wirkungen entfalten. In einem europäischen Gemeinschaftsprojekt soll nämlich die Krebstherapie vorangebracht werden. Mehrere Jahre Forschungsarbeit sind dafür veranschlagt. Allerdings steht dafür nicht die geballte Finanzkraft der Pharmaindustrie wie bei der Corona-Pandemie zur Verfügung, aber immerhin ein europäisches Forschungsprojekt, bei dem die Abnoba GmbH mit Sitz in Pforzheim und Forschungs- und Herstellungslaboren in Niefern-Öschelbronn federführend ist.

Dotiert ist das mehrjährige Vorhaben mit einem Budget von 2,7 Millionen Euro. In dem EU-Projekt „Relief“ in Kooperation mit Universitäten und mittelständischen Partnern in Frankreich, den Niederlanden und Schweden geht es um den Arzneimittel-Transport ins menschliche Gehirn. Ziel ist die Überwindung der Blut/Hirnschranke durch einen neuartigen Arzneistoff.

Seit 2015 keine Verbesserungen

„Bis heute gibt es für Hirntumore, insbesondere für das Glioblastom (GBM) als dessen häufigste Erkrankungsform, keine heilende Therapie – die mittlere Überlebenszeit beträgt 12 bis 15 Monate, mit einem 5-Jahres-Überleben von nur fünf Prozent“, erläuterte Dr. Gero Leneweit. Weltweit sterben am Glioblastom jährlich rund 189.000 Menschen.

„Die aktuelle Standardtherapie wurde 2005 eingeführt – seitdem gibt es keine Verbesserungen für Patienten mit Hirntumoren, somit besteht ein hoher Bedarf an neuartigen Therapiemethoden.“

Die Abnoba GmbH habe neuartige Methoden für den gezielten Transport moderner biologischer Wirkstoffe zum Tumor entwickelt – für die Mistel und für neuartige RNA- oder Protein-Wirkstoffe. In die europäische Kooperation integriert seien Neurobiologen, die Durchbrüche in der Überwindung der Blut/Hirnschranke und der selektiven Anreicherung in Tumorzellen erreichen konnten sowie Pharmazeuten für die präklinischen Nachweise sowie Immunologen zur Vermeidung von Immunreaktionen gegen die Arzneimittelgabe.

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Die Doktorantinnen Larissa Lubitz (links) und Katharina Friedly arbeiten im Abnoba-Forschungslabor an einem neuen Arzneistoff. Foto: Meyer

„Das nun beginnende Forschungsprojekt hat in einem harten europäischen Wettbewerb unter mittelständischen Mitbewerbern um die Vergabe von Fördergeldern überzeugen können“, erläuterte Geschäftsführer Michel Barkhoff.

„Bei allen Mitbewerbern widmen sich mindestens zehn Prozent der Mitarbeiter komplett der Forschung oder investieren zehn Prozent ihres Umsatzes in die Forschung.“

Bei Abnoba produzieren 60 Mitarbeiter rund 1,9 Millionen Ampullen Mistelpräparate für die begleitende Krebstherapie. „Corona hat auch bei uns zu heftigen Umsatzeinbußen gefüht“, so Barkhoff. Hintergrund: Es gehen aktuell weniger Patienten zum Arzt.

Die Abnoba GmbH ist aus dem Carl Gustav Carus-Institut der Gesellschaft zur Förderung der Krebstherapie in Niefern-Öschelbronn entstanden. Das mittelständische Pharmaunternehmen erforscht pflanzliche Arzneimittel für die Krebsbehandlung. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Misteltherapie, die auf den Anthroposophen Rudolf Steiner zurückgeht. Neben einer aktuell durchgeführten klinischen Studie zum Nachweis der Verbesserung der Therapie des oberflächlichen Harnblasenkarzinoms investiert das Unternehmen in die Entwicklung neuer Technologien zur Verabreichung von Arzneimitteln. Šeit 2015 läuft eine sogenannte TIM-Studie, in der Mistelpräparate im klinischen Vergleich erstmals mit der Standard-Chemotherapie verglichen werden.

Lothar Neff

Lothar Neff

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