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Otec-Firmenchef Helmut Gegenheimer mit Konstruktionsleiter Gregor Hirling, Professor Mike Barth und Kybernetiker Christian Härle (von links).  Foto: Meyer 
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Mike Barth.  Foto: Ketterl 

Forschungsprojekt von Pforzheimer Hochschule und Otec: Arbeiten am digitalen Zwilling

FPforzheim. Mechatronische Systeme sind allgegenwärtig. Sie dominieren die industrielle Produktion sowie die daraus resultierenden Erzeugnisse, die aus dem alltäglichen Gebrauch nicht mehr wegzudenken sind. Die zunehmende Komplexität und Vernetzung dieser Systeme erfordert qualifizierte Ingenieure, die in der Lage sind, Maschinen, Anlagen und Produkte ganzheitlich zu entwickeln. Der neue Masterstudiengang „Mechatronische Systementwicklung“ (MMS) der Hochschule Pforzheim bildet diese Experten ab sofort aus und stärkt damit auch die heimische Wirtschaft: Erstklassige Absolventen sollen der Region erhalten bleiben, wie Professor Mike Barth im Gespräch mit der PZ erläutert.

„Wir verzeichnen seit Längerem eine steigende Nachfrage nach einem größeren Angebot an fachlich aufbauenden Masterstudiengängen. Insbesondere die Digitalisierung und der damit einhergehende Wandel erfordert Expertenwissen in modernen virtuellen Entwicklungstechnologien“. Es geht um den Schulterschluss von IT, Mechanik und Elektrotechnik zur Automatisierungstechnik. „Heutige Innovationen entstehen immer an den Schnittstellen“, so Barth. Seine Master-studenten werden jenseits des Hörsaals schon frühzeitig in betriebliche Entwicklungen eingebunden. Aktuelles Beispiel: Im Rahmen eines Forschungsprojekts entwickeln MMS-Studierende für die Otec Präzisionsfinish GmbH in Straubenhardt einen „digitalen Zwilling“. Dieser steht für die Digitalisierung von Anlagen und Maschinen – das virtuelle Abbild einer realen Maschine soll für ein optimiertes Maschinendesign, effizientere Inbetriebnahmen, kurze Umrüstzeiten und einen fehlerfreien Betrieb sorgen. Im Jahr 2025 sollen laut ITK-Branchenverband Bitkom alle digitalen Zwillinge in der Fertigungsbranche zusammen ein wirtschaftliches Potenzial von über 78 Milliarden Euro aufweisen. Dafür müssen alle Systeme nicht nur miteinander vernetzt, sondern auch intelligent genug sein, um sich selbst zu optimieren.

Diesen Weg geht auch Otec-Firmenchef Helmut Gegenheimer, selbst Diplom-Ingenieur. Obwohl er sich selbst eher als analog denkenden Menschen einschätzt, hat er die Zeichen der digitalen Zeit erkannt: „Bei der Inbetriebnahme von neuen Anlagen im Ausland geht oft viel Zeit verloren.“

Die Kunden des mittelständischen Unternehmens für Schleif- und Poliersysteme wollen den digitalen Zwilling, der mit realen Maschinen vernetzt ist. „Hierzu sind moderne Entwicklungsmethoden und -werkzeuge sowie Techniken aus unterschiedlichen Fachbereichen erforderlich, um beispielsweise ein Antriebssystem sowohl in seiner mechanischen Struktur, in seinem elektrischen Betriebsverhalten als auch im Dialog mit benachbarten Systemen wie Getrieben und Kupplung optimal zu konzipieren“, weiß auch Forschungsprojektleiter Christian Härle. Der Kybernetiker ist sowohl als Entwickler für Otec als auch im Bereich der Forschung und Lehre im Rahmen des neuen Masterstudiengangs für die Hochschule Pforzheim aktiv – „und bildet somit den personifizierten Schulterschluss unserer Studenten mit der Industrie“, bekräftigt Professor Barth die Zielvorgabe des neuen Technik-Masters. Die Laufzeit für das Forschungsprojekt beträgt drei Jahre.