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Verabschiedet: der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit Frank-Jürgen Weise. Foto: Karmann
Verabschiedet: der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit Frank-Jürgen Weise. Foto: Karmann
29.03.2017

Frank-Jürgen Weise: Herr des Arbeitsmarkts geht

Nürnberg. Seit Februar 2004 steht Frank-Jürgen Weise (65) an der Spitze der Bundesagentur für Arbeit (BA), der CDU-Mann ist damit länger im Amt als Angela Merkel. Den Anfang hatte bereits Mitte 2015 sein langjähriger Weggefährte Heinrich Alt gemacht. Nun räumt auch Weise sein Chefbüro in Nürnberg. Die Verabschiedung des langjährigen Vorstandschefs der Bundesagentur für Arbeit (BA) gestern in Berlin markiert das endgültige Ende einer von beiden BA-Managern geprägten Ära. Sie steht für eine der größten sozialpolitischen Reformen im Nachkriegsdeutschland, die Hartz-IV-Reform, und für einen radikalen Umbau der Bundesanstalt zur Bundesagentur.

Sein Nachfolger ist der frühere Hamburger Arbeits- und Sozialsenator Detlef Scheele. Ein Millionenpublikum verbindet Weise mit drögen Daten – den monatlichen Arbeitsmarktzahlen. Die bescherten dem Behördenchef 13 Jahre lang Monat für Monat ein paar Sekunden in den Abendnachrichten – und damit eine Popularität, auf die er manchmal gerne verzichtet hätte. Denn auf seinen Motorrad-Touren etwa bleibt der 65-Jährige inzwischen selten unbehelligt. Immer wieder komme es vor, dass ihn wildfremde Menschen ansprechen: „Mensch, ich kenn‘ Sie doch irgendwoher. Sie sind doch der mit den Arbeitslosenzahlen?“.

Der „Herr der Zahlen“ zu sein, beschreibt Weises Selbstverständnis ganz gut. Der einstige Unternehmer, den im Jahr 2002 sein Vorgänger Florian Gerster nach Nürnberg holte und den er 2004 beerbte, hat in der einst als verstaubt geltenden Arbeitsverwaltung knallharte unternehmerische Prinzipien eingeführt. Mit einem Bündel an Kennzahlen, Richtwerten und Quoten schuf der heute 65-Jährige die Voraussetzung für ein strenges Controlling. Mit Erfolgskontrollen zwang er die Arbeitsagenturen in einen Wettbewerb – nicht immer zur Freude mancher BA-Mitarbeiter, die der ständigen statistischen Berichtspflicht überdrüssig sind.

Seinem Nachfolger Scheele hinterlässt Weise jedenfalls ein aufgeräumtes Haus: Die Bundesagentur erwirtschaftet seit 2007 teils kräftige Überschüsse – so viel, dass sie die Finanzkrise im Jahr 2009 mit milliardenschweren Kurzarbeitergeldprogrammen zu meistern vermochte – und dadurch drohende Massenentlassungen verhinderte. Straffes Kostenmanagement, aber auch die sich zunehmend verbessernde Arbeitsmarktlage erlaubten zudem in der Ära Weise eine Halbierung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung.

Kein Wunder, dass sich Weise damit für neue Aufgaben empfahl. So berief der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) 2010 den einstigen Zeitsoldaten und Oberst der Reserve zum Chef einer Bundeswehr-Reformkommission. Zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise im September 2015 ereilte Weise der Ruf von Innenminister Thomas de Maizière (CDU): Als Leiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) sollte er die Behörde fit für den Flüchtlingszustrom machen.