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OB Gert Hager (rechts) im Gespräch mit Galvanik-Firmenchef Chris Jentner.
06.11.2015

Freitag letzter Tag der Fachmesse für Blechbearbeitung: Abgas-Skandal kann Zuversicht nicht bremsen

Stuttgart. Vorsicht Spritzwasser! Wasserstrahlschneidmaschinen sind im Einsatz, daneben rattern Bruderer-Stanzautomaten, bewegen sich große Laseranlagen – Druckluft bestimmt den Takt. Es tut sich was auf der Blechexpo – und die Fachbesucher drängen sich in den Stuttgarter Messehallen – auf der Suche nach Problemlösungen, technischen Neuheiten und Automatisierungslösungen.

Die viertägige Fachmesse geht heute zu Ende. Unter den 800 deutschen Ausstellern stellen 60 Unternehmen aus dem Pforzheimer Wirtschaftsraum eine wichtige Delegation. „Eigentlich dürften Sie nicht mehr Goldstadt schreiben“, erklärt Jürgen Bodamer, Vertriebsleiter bei Vester Elektronik aus Straubenhardt – eines der regionalen Unternehmen, die sich in Halle sieben positioniert haben. Die Wertschöpfung komme aus der Präzisionstechnik. Und mit seinen optischen Überwachungssystemen sorgt die Firma Vester dafür, dass nur einwandfreie Teile die Stanzanlagen verlassen. Die Kunden aus der Automobilindustrie verlangen von ihren Zulieferern praktisch eine Null-Fehler-Quote. Erkennt die Laserlichtschranke ein fehlerhaftes Teil, wird die Anlage automatisch gestoppt. Klaus und Wolfgang Vester haben 1968 die ersten Bildverarbeitungssysteme entwickelt. Seit den Anfängen der Blechexpo im Jahr 1994 in Sinsheim (damals noch „Südblech“) stellt Vester auf der Messe aus. Gerade war ein Vertreter eines Autozulieferers aus Talin am Stand, der mit Hilfe von Vester-Kameras Kratzer in seinen Metallteilen aufspüren will.

Ebenfalls ein Messe-Urgestein ist Wolfgang Härter, der Seniorchef der Härter-Gruppe aus Königsbach-Stein. 950 Mitarbeiter sind in den Werkzeugbau- und Stanztechnik-Betrieben der Gruppe in Stein tätig – darunter 47 Azubis, wie Härter stolz anmerkt. „Die Blechexpo ist ein ganz wichtiger Branchentreff und Umschlagplatz für Informationen.“ Beherrschendes Thema ist natürlich der VW-Abgasskandal. „Das hat dem weltweiten Ansehen der deutschen Ingenieurskunst natürlich geschadet“, glaubt der gelernte Werkzeugmacher. Doch der Volkswagen-Konzern werde gestärkt aus der Krise hervorgehen. 75 Prozent des Umsatzes macht Härter mit der Automobilindustrie.

Erstaunlicherweise bleiben die meisten Aussteller gelassen, wenn sie auf das Thema angesprochen werden. Einige versprechen sich sogar steigende Umsätze durch die fällige Umrüstung der VW-Motoren. Die „Schummelsoftware“ müsse durch mechanische und elektronische Komponenten ersetzt werden – das bedeutet Aufträge für die findigen „Blechlesbieger“, wie sie sich selbstironisch nennen. Noch sei kein Einbruch in der Kfz-Nachfrage zu erkennen, sagt Stefan Tschugmell, Geschäftsführer der Pforzheimer Präzisionstechnikfirma Conttek. „Wir sind breit aufgestellt und liefern Komponenten sowohl für VW-Diesel als auch Benzinmotoren.“ Der gebürtige Österreicher ist ein bekennender Fan von „made in Germany“, auf deutsche Technologie könne man stolz sein, auch wenn der Skandal wehtue. Die Auftragsbücher seien voll, möglicherweise würde zum Jahresende hin von den Kunden etwas weniger bestellt, um die Lagerbestände zu reduzieren. „Von einer Krise keine Spur“. Zufrieden zeigten sich gestern auch die elf Aussteller am Gemeinschaftsstand der Pforzheimer Präzisionstechnik-Clusterinitiative „Hochform“. Neben guten Kundengesprächen habe man untereinander Kontakte geknüpft und Kooperationsmöglichkeiten gesucht.