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Der Bio-Hybrid von Schaeffler ist elektrisch unterstützt und voll vernetzt. Foto: Geiger
Der Bio-Hybrid von Schaeffler ist elektrisch unterstützt und voll vernetzt. Foto: Geiger
10.01.2019

Gefahr von Auto-Hacks treibt Branche um

Hannover. Die Auto-Hacker Charlie Miller und Chris Valasek haben schon vor Jahren in den USA mit einem Stunt die Branche aufgeschreckt. Sie führten vor, wie sie aus der Ferne per Funk einen Jeep gleichsam übernahmen - Klimaanlage und Scheibenwischer spielten verrückt, dann kroch der Wagen nur noch über den Asphalt, weil das Gaspedal nicht mehr funktionierte. Es ist die Horrorvision vieler Menschen, dass andere dazwischenfunken und im schlimmsten Fall bei den zunehmend automatisierten Autos die Kontrolle über Bremsen oder Lenkung übernehmen. Ist das überhaupt denkbar?

„Vernetzung ist das Einfallstor“, sagt jedenfalls Polizeikommissar Alexander Rimkus. Der 23-Jährige, im Raum Nordhorn tätig, hat eine Bachelor-Arbeit zu den Sicherheitslücken und deren Manipulationspotenzial vorgelegt. Wer Schaden anrichten will, muss eine Sicherheitslücke in einem System finden. Die eigentlichen Auto-Hacks erforderten hohen Aufwand, Kenntnisse und seien teuer, erklärt Stefan Römmele, Leiter Strategie und Vorentwicklung für Security beim Autozulieferer Continental.

Rimkus aber betont, dass es kriminelle Strukturen gebe, die die Komponenten bereitstellen könnten – „cybercrime as a service“ ist das Stichwort. Auf deutsch: „Internetkriminalität als Dienstleistung“. Laut Rimkus ist Erpressung die „klassische Masche“ von Cyber-Kriminellen. Sicherheitslücken in Software-Systemen ganzer Fahrzeugflotten böten erhebliche Erpressungspotenziale, ergibt seine Untersuchung. Schließlich bedeute die Abhängigkeit von Fahrzeugen einen „großen Hebel“. Auch terroristische Anschläge auf Fahrzeuge oder Ziele wie Verkehrsleitzentralen seien zu erwarten. Zur Gefahrenabwehr gebe es noch keine Komplettlösungen. Aber denkbar sei, dass künftig eine TÜV-Plakette die Online-Sicherheit autonom fahrender Autos bescheinige.

Die Abwehr solcher Angriffe ist ein stetig wachsender Industriezweig, heißt es beim Münchner Halbleiterhersteller Infineon. Das Unternehmen liefert Sicherheitstechnik für die Elektronik im Auto. Continental-Experte Römmele macht klar, welches Potenzial dies hat. Die Zahl der vollvernetzten Autos wird stark wachsen, bis 2025 dürfte jeder Neuwagen weltweit einen Internetzugang haben. Vollvernetzt – das bedeutet, dass Autos untereinander und mit der Infrastruktur wie beispielsweise Ampeln kommunizieren können. „Jedes Auto, das in Europa heute neu zugelassen wird, hat automatisch eine Verbindung zum Notfallrufsystem E-Call und damit eine Verbindung zum Netz“, sagt auch Schiefer. In fünf Jahren dürften nach seiner Schätzung schon mehr als 100 Millionen vernetzte Autos unterwegs sein.

Potenzielle Einfallstore für Cyber-Kriminelle seien alle Schnittstellen im Auto, über die Daten mit den Steuergeräten ausgetauscht werden, sagt Römmele. Beispiele seien die Diagnoseschnittstelle oder die Steuergeräte für die Wegfahrsperre. In künftigen Autos gehe die Architektur hin zu einer sehr kleinen Zahl leistungsfähiger Steuergeräte. Klar ist aber: „Jedes einzelne Gerät muss sicher sein.“ Und zwar für die gesamte Lebensdauer des Autos.

Für den Autogiganten Volkswagen ist dies ein immerwährender Wettlauf: Rolf Zöller, Leiter Elektrik- und Elektronikentwicklung bei der Kernmarke VW, spricht von „absolut angemessenen Gegenmaßnahmen auf höchstem technischen Niveau“.

Vor allem in der Cloud-Technologie würden immer mehr Schwachstellen gefunden, schätzt das IT-Sicherheitsunternehmen Trend Micro. Dessen Experten gehen davon aus, dass Angreifer neue Technologien wie künstliche Intelligenz einsetzen. Continental-Experte Römmele betont, dass das Sicherheits-Level der Kommunikation mit der Cloud so hoch sei wie beim Online-Banking. Alle Funktionen im Auto würden kontinuierlich überwacht.