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Auf dem Gelände der Hochschule Pforzheim soll das Zentrum für Präzisionstechnik (rotes Modell) entstehen.
Auf dem Gelände der Hochschule Pforzheim soll das Zentrum für Präzisionstechnik (rotes Modell) entstehen.
25.02.2016

Gegenwind für Präzisionstechnik - Bauausschuss für Fortsetzung der Planung

Mit finanzieller Unterstützung des Landes Baden-Württemberg soll im Bereich der Hochschule Pforzheim ein Zentrum für Präzisionstechnik (ZPT) entstehen. Doch die Realisierung des Leuchtturmprojekts stößt auf massiven Widerstand: Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat als für die Stadt Pforzheim zuständige Rechtsaufsichtsbehörde seine Unterstützung versagt (die PZ berichtete). Der Grund ist die prekäre Haushaltslage der Goldstadt.

„Weitermachen“ lautete am Mittwoch die Kernaussage der Kommunalpolitiker im gemeinderätlichen Bauausschuss, wo Architekt Peter W. Schmidt die Pläne für das ZPT vorstellte. Das Zentrum soll ein echter Blickfang werden, der das Campus-Areal der Hochschule optisch begrenzt. Für den Entwurf gab es Beifall, allerdings steht hinter der Finanzierung ein großes Fragezeichen. Die Investitionskosten für das ZPT belaufen sich auf 7,5 Millionen Euro. Bei einer Förderung in Höhe von 70 Prozent aus dem europäischen EFRE-Programm wären für das Projekt Eigenmittel in Höhe von 2,25 Millionen Euro erforderlich, die der federführende Eigenbetrieb Wirtschaft und Stadtmarketing (WSP) über einen Zeitraum von 50 Jahren über Darlehen finanzieren möchte. Für den Betrieb des Präzisionstechnikzentrums wird ein jährliches Betriebskostendefizit von 413.000 Euro angenommen. Da die Projektförderung gleichzeitig mit der Verpflichtung einhergeht, das ZPT mindestens 15 Jahre lang zu betreiben, läge das Betriebskostendefizit über diesen Zeitraum insgesamt bei rund sechs Millionen Euro. „Deshalb ist die Realisierung der Maßnahme angesichts der kritischen Haushaltslage der Stadt Pforzheim nicht vertretbar“, schreibt das Regierungspräsidium. Zumal sich die Goldstadt trotz ihrer Finanzprobleme schon ein Gründerzentrum (Innotec) und ein Kreativzentrum (EMMA) leiste.

Der Wirtschaftsförderungsausschuss des Gemeinderats hatte sich mit großer Mehrheit für die Umsetzung des Projekts ausgesprochen. Während CDU und SPD dafür stimmten, hatten die kleineren Fraktionen angesichts der brisanten Haushaltslage erhebliche Bedenken, was die jährlichen Folgekosten von 413.000 Euro für die Stadt Pforzheim angeht.

Klar ist allen Beteiligten, dass dieses Leuchtturmprojekt den Strukturwandel in Pforzheim unterstützen würde. Über 40 Unternehmen aus der Präzisionstechnik sowie die Hochschule Pforzheim tragen die Pläne mit. „Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen“, betont IHK-Geschäftsführer Markus Wexel. Die mögliche 70-Prozent-Förderung des Landes in Höhe von über Millionen Euro sei ein Glücksfall für Pforzheim.

Das Präzisionstechnikzentrum ist als industrienahe Anlaufstelle mit Fokus auf klein- und mittelständische Unternehmen konzipiert. Es soll sowohl Existenzgründern ein Sprungbrett bieten als auch den Austausch zwischen Industrie und Hochschule fördern.