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11.02.2016

Gelbes Edelmetall feiert glänzendes Comeback: Gold wieder gefragt

Bei den Anlegern geht die Angst um: Die Aktienkurse sind auf Talfahrt aus Sorge um die Weltwirtschaft. In Zeiten der Not am Finanzmarkt suchen die Investoren Schutz – und kaufen Gold. Während sich der Goldpreis im vergangenen Jahr phasenweise kaum bewegt hatte, legte er seit Beginn des Jahres in der Spitze 13 Prozent zu und erreichte zu Beginn der Woche bei 1200 Dollar je Feinunze (etwa 31,1 Gramm) den höchsten Stand seit acht Monaten.

An den Finanzmärkten sorgt eine fatale Mischung unterschiedlicher Probleme für einen Ausverkauf bei Anlageformen, die mit einem Risiko behaftet sind – dazu zählen vor allem Aktien. Beunruhigend wirkten Meldungen aus China, wo die Wirtschaft seit Monaten immer stärker an Schwung verliert. Die Talfahrt der Ölpreise belastet wiederum die Wirtschaft von wichtigen Rohstoffmächten und bedroht zahlreiche Förderunternehmen in den USA, die auf die umstrittene und teure Fracking-Technik gesetzt haben. Zuletzt machte sich am Markt sogar wieder die Sorge vor Bankenpleiten breit. „Anleger suchen angesichts zunehmender Konjunktursorgen, abstürzender Aktienmärkte und fallender Anleiherenditen Zuflucht in den sicheren Hafen Gold“, erklärt Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank den jüngsten Preisanstieg. Ähnlich äußert sich die Volkswirtin Vyanne Lai von der National Australia Bank in Melbourne: „Die jüngste Eskalation der Unsicherheit an den Finanzmärkten verstärkt die Nachfrage nach sicheren Anlagehäfen, und dazu zählt auch das Gold.“ Die Frage ist nun, ob es beim Gold weiter hoch geht. „Solange die genannten Einflussfaktoren bestimmend bleiben, dürfte Gold seinen Höhenflug fortsetzen“, sagt Experte Weinberg. Auch für den Rohstoffspezialisten Gabor Vogel von der DZ-Bank ist ein weiterer Anstieg des Goldpreises kurzfristig nicht ausgeschlossen. Mittelfristig hat sich nach Einschätzung von Vogel das Bild am Goldmarkt aber nicht verändert. Trotz der jüngsten Abwertung sieht der Experte den US-Dollar als weiter vergleichsweise stark bewertet und damit nach wie vor als einen Belastungsfaktor für den Goldpreis. Denn Gold wird in US-Dollar gehandelt und ein Wertzuwachs der US-Währung macht das Edelmetall außerhalb des Dollarraums teurer und bremst so die Nachfrage. „Wir rechnen zum Jahresende mit einem Goldpreis von etwa 1000 Dollar“, so der Experte.

Der Experte der DZ Bank zeigt sich damit deutlich pessimistischer als viele andere Fachleute. Laut einer Umfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg unter Rohstoffexperten rechnen Analysten zum Jahresende im Schnitt mit einem Goldpreis bei 1200 Dollar – unterm Strich also mit einer stabilen Entwicklung. Zur Hochphase der Euro-Schuldenkrise war das Edelmetall auf einen Rekordstand von 1920 Dollar geklettert.