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Ralph Müller, Bereichsleiter der Akademie des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes (bwgv) in Karlsruhe, Roman Glaser, Präsident des bwgv und Frank Mentrup, Oberbürgermeister Karlsruhe. Foto: Löffler
Ralph Müller, Bereichsleiter der Akademie des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes (bwgv) in Karlsruhe, Roman Glaser, Präsident des bwgv und Frank Mentrup, Oberbürgermeister Karlsruhe. Foto: Löffler
22.07.2017

Genossenschaftsverband konzentriert seine Akademie-Standorte: „Webinare“ statt Seminare

Karlsruhe. Die Digitalisierung hat längst auch die Bildungs- und Weiterbildungsbranche erfasst. Begriffe wie E-Learning oder Blended Learning sind die Schlagworte in der Bildungslandschaft 4.0. Ralph Müller kann die rasante Entwicklung mit Zahlen belegen. Der Diplom-Betriebswirt mit Wohnsitz im Enzkreis ist Bereichsleiter der Akademie des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes (bwgv) in Karlsruhe mit angeschlossenem Hotelbetrieb. „Im Jahr 2014 hatten wir noch 200 Webinare im Angebot, heute sind es 1200“, sagt er.

Tendenz steigend. Online, das sei kein sich abzeichnender Trend, sondern: „Wir sind schon mittendrin.“ Präsenzveranstaltungen, bei denen die Teilnehmer teilweise lange Anfahrtswege in Kauf nehmen mussten, können durch das Lernen am internetfähigen Computer mit dazu gehöriger Web-Kamera quasi von jedem Ort der Welt ersetzt werden. Vorteil: Kosten- und Zeitersparnis. Derzeit sei das sich weiter drehende Verhältnis zwischen Präsenz und Online bereits 60 zu 40. Teilnehmer der Akademie-Kurse seien im Wesentlichen Mitarbeiter von genossenschaftlichen Institutionen.

Auch – aber nicht nur – wegen des Wandels, zentralisiert der Genossenschaftsverband seine einst vier Bildungsstandorte im Lande jetzt auf die Akademie Karlsruhe-Rüppurr. Der 2009 aus dem Badischen und dem Württembergischen Verband fusionierte bwgv hatte jeweils zwei Verwaltungs- und zwei Akademie-Standorte - darunter Stuttgart-Hohenheim, dessen Grundstück und Gebäude an die dortige Universität veräußert wird. bwgv-Präsident Roman Glaser macht deutlich: „Mit unserem Standort-Konzept, das zum Jahresende planmäßig abgeschlossen sein wird, konzentrieren wir uns auf den Verwaltungssitz Geno-Haus in Stuttgart sowie auf die Akademie Karlsruhe-Rüppurr.“

Zum bestehenden Personal in Rüppurr werden 20 Beschäftigte aus Hohenheim hinzukommen, sodass künftig 67 Mitarbeiter dort tätig sind. Allerdings fiel ein ursprünglich geplanter Erweiterungsbau dem Wandel zur Digitalisierung und dem Trend zu dezentralen Schulungen zum Opfer. Aufgrund rückläufiger Präsenz-Veranstaltungen wird die Kapazität des Hotelbetriebs von rund 140 Zimmern um zehn Prozent reduziert. Die dadurch frei werdende Fläche wird in Verwaltungsräume umfunktioniert. Bereichsleiter Müller spricht von „agilem Arbeiten“ in einem modernen Großraumbüro. bwgv-Präsident Glaser kündigt an: „An diesem Standort werden wir neue Arbeitsformen testen.“

Als einer, der den traditionellen Seminarbetrieb zumindest gedanklich nicht aufgegeben hat, bekennt sich der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup: „Es wird eine Renaissance der persönlichen Begegnung geben.“ Auch Präsident Glaser sieht keine völlige Abkehr vom persönlichen Zusammenkommen. Dennoch bezeichnet Mentrup angesichts der aktuellen Entwicklung mehrere Standorte auf Dauer als „unwirtschaftlich“. Die jetzt vom bwgv entwickelte Lösung mit der Akademie in Rüppurr als vollständige Einheit sei „der Königsweg“.

Die Umbauarbeiten finden laut Präsident Glaser im laufenden Betrieb statt. Spätestens Ende 2018 solle alles fertiggestellt sein. Und die Kosten? „Der Umfang der vorgesehenen Investitionen lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös abschätzen.“