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Das Traditionsunternehmen Ungerer im Pforzheimer Arlinger hat einen finanziellen Engpass.
Das Traditionsunternehmen Ungerer im Pforzheimer Arlinger hat einen finanziellen Engpass. © Ketterl
17.12.2015

Geschäftsführer zieht vor den Kadi

Pforzheim. Die positive Nachricht zuerst: Der Betrieb läuft weiter und Ungerer-Geschäftsführer Hans-Roland Wagner geht davon aus, dass das Pforzheimer Unternehmen spätestens in zwei Monaten wieder in geordnete Bahnen gelenkt sein wird. Gestern hat er der PZ bestätigt, dass beim Amtsgericht Insolvenzantrag für den Maschinen- und Anlagenbauer gestellt worden ist.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde ein Vertreter der Kanzlei Hoefer/Schmidt-Thieme (Mannheim) benannt.

120 Mitarbeiter seien in Pforzheim, 30 in Leipzig und zehn in China beschäftigt. „Ich kämpfe auch um den Erhalt von Arbeitsplätzen“, sagt Wagner. Aber nicht nur: Mithilfe einer renommierten internationalen Kanzlei wolle er Schadenersatzklage gegen ein Beratungsunternehmen einreichen, das dem Unternehmen eine Fehlbeschaffung in Höhe von 3,6 Millionen Euro verursacht habe. Und Wagner will gegen seine Finanzierungspartner vorgehen, also gegen die Kreditinstitute, namentlich Deutsche Bank und die BW-Bank. Diese würden notwendige Sicherungen nicht freigeben. Die Bank of China habe zwar eine Haftungserklärung abgegeben. Doch die deutschen Finanzierungspartner würden deren Erklärung mit dem Hinweis auf einen Drittland-Status nicht anerkennen. „Das ist geradezu lächerlich“, sagt Wagner. Er bezeichnete die Vorgehensweise als reine „Gängelung“.

Den Gang zum Insolvenzgericht muss der Geschäftsführer nach eigener Aussage wegen einer Unterdeckungssumme von rund drei Millionen Euro antreten. Dem gegenüber stünden jedoch 18 Millionen Euro Forderungen an Kunden auf dem Weltmarkt.

Die 1895 durch den Unternehmer Karl Friedrich Ungerer in Pforzheim gegründete Maschinenbaufirma ist Wagner zufolge international tätig. Neben dem Zentralstandort in Pforzheim-Arlinger gibt es Töchter in Leipzig, in den USA und in Asien.

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