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Für die 1460 E.G.O.-Mitarbeiter in Oberderdingen ist die Beschäftigungssicherung verlängert worden.  Foto: Matthias Hangst/Blanco und Fischer Familienholding 

Geschäftsleitung und Betriebsrat der E.G.O.-Gruppe einigen sich - Blanco Professional von massivem Umsatzeinbruch betroffen

Oberderdingen. Die gute Nachricht zuerst: Die Produktion in Deutschland wird auch in 10 oder 15 Jahren sinnvoll und möglich sein, machte Dirk Schollack, CEO der Oberderdinger E.G.O.-Gruppe, am Montag beim Pressegespräch deutlich. Allerdings erfordere dies höchste Effizienz, schlanke Strukturen und innovative Produkte. „Wir wollen gemeinsam die Küche der Zukunft gestalten“, sagte Schollack.

Wer heute auf der Welt mit Strom oder Gas kocht, macht das in mehr als der Hälfte aller Fälle mit Technik und Produkten von E.G.O, auch in Waschmaschinen, Wäschetrocknern, Kühlschränken und Elektrogeräten. Alles begann vor rund 90 Jahren, als Firmengründer Karl Fischer die erste serientaugliche Elektro-Kochplatte entwickelte. Das Herz der weltweit agierenden Unternehmensgruppe schlägt am Stammsitz – und das soll auch künftig so bleiben. Geschäftsführung und Betriebsrat der Oberderdinger E.G.O. Gruppe haben beschlossen, den seit 2016 gültigen Standortsicherungsvertrag um sechs Monate bis zum 30. Juni 2021 zu verlängern. Außerdem gibt es die Option, ihn bei Bedarf auch bis zum Jahresende 2021 zu verlängern. Ursprünglich sollte der Vertrag Ende diesen Jahres auslaufen. In dieser Vereinbarung hatte das Unternehmen mit aktuell 1460 Mitarbeitern in Oberderdingen während der Laufzeit unter anderem Investitionen in die Zukunftssicherung des Stammsitzes in Höhe von mindestens 36 Millionen Euro getätigt. Die Mittel flossen unter anderem in den Neubau der Firmenzentrale, die Entwicklung zukunftsfähiger Produkte oder die Qualifikation der Mitarbeiter. Betriebsbedingte Kündigungen sind weiterhin ausgeschlossen.

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Im Gegenzug stimmten die Mitarbeiter einer unbezahlten Mehrarbeit von durchschnittlich zwei Wochenstunden und einer Kürzung von Weihnachts- und Urlaubsgeld um durchschnittlich 26 Prozent zu. „Angesichts der Corona-Pandemie ist jetzt keine gute Zeit, über solche grundlegenden Abkommen zu diskutieren“, sagt E.G.O.-Chef Schollack. „Deshalb sind wir froh, dass wir uns mit den Mitarbeiter-Vertretern auf eine Verlängerung einigen konnten.“

Auch Betriebsratsvorsitzender Marcus Kornherr ist mit diesem Ergebnis zufrieden: „Die Mitarbeiter verstehen natürlich, dass die Ereignisse rund um Covid-19 für das Unternehmen viele Herausforderungen bringen.“ Weltweit arbeiten 5600 Mitarbeiter in 17 Ländern für die E.G.O.- Gruppe. Diese erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von rund 602 Millionen Euro. Mit dem Ergebnis sei man zufrieden und habe dem Unternehmen zuletzt ausreichend Liquidität zur Verfügung gestellt, um die kritischen Monate der Corona-Pandemie zu überstehen. Nach einem Einbruch im zweiten Quartal 2020 rechne man im Jahresverlauf wieder mit einer konjunkturellen Erholung, so Schollack.

Unter dem Strich werde man aber bis zu 15 Prozent weniger Umsatz machen. Die E.G.O.-Gruppe gehört zur Blanc & Fischer Familienholding. Die Schwesterfirma Blanco Professional sei von der Corona-Pandemie besonders betroffen, erklärte Johannes Haupt, Vorsitzender der Geschäftsführung der Holding. Ein dramatischer Umsatzeinbruch in den Geschäftsbereichen Gastronomie, Catering und Industrie erfordere den Abschluss eines Sanierungstarifvertrags mit Betriebsrat und IG Metall. Betriebsbedingte Kündigungen sollen auch dort vermieden werden.

Lothar Neff

Lothar Neff

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