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Begehrte Anlage: Edelmetall in Barrenform. Foto: AGOSI
Begehrte Anlage: Edelmetall in Barrenform. Foto: AGOSI
01.07.2016

Gold durch Brexit wieder hoch im Kurs

Der bevorstehende Abschied Großbritanniens aus der Europäischen Union macht eine Finanzwelt voller Risiken noch riskanter. Sicherheit steht bei Anlegern nicht erst seit dem Brexit-Votum hoch im Kurs. Und der Goldpreis steigt, weil das gelbe Edelmetall seit Jahrtausenden als sichere Anlage gilt. „Die Unsicherheit ist groß“, bestätigt Bernd Bauer, Vertriebsleiter Edelmetall bei der Pforzheimer Scheideanstalt Agosi.

„Wir verzeichnen in den vergangenen Tagen durch die höheren Ankaufpreise wieder einen deutlichen Anstieg der angelieferten Altgoldmengen.“ Gleichzeitig sei die Nachfrage nach Investment-Barren und Goldmünzen gestiegen. „Viele Kunden decken sich ein, weil sie weiter steigende Preise erwarten.“ Auch die Materialnachfrage aus der Schmuckindustrie sei weiterhin hoch.

Seit Jahresbeginn liegt Gold damit 25 Prozent im Plus. Am Freitag notierte die Feinunze (31,1 Gramm) bei 1335 US-Dollar (umgerechnet rund 39 Euro pro Gramm) und das könnte nur der Anfang eines Aufschwungs sein. Der Austria Börsenbrief verweist auf die aktuelle Goldstudie „In Gold we Trust“ von Ronald-Peter Stoeferle und Mark Valek. Dort geben die beiden Autoren ein Kursziel für den Goldpreis bis Juni 2018 von 2300 Dollar an.

Der Grund für die Erholung des Goldpreises sei die steigende Unsicherheit, ob die Wirtschaft von der Finanz- und Schuldenkrise genesen kann. Diese grundsätzliche Unsicherheit nehme aufgrund des „Brexit“ weiter zu. Wenn Sturm aufzieht, suchen Menschen Schutz. Ganz ähnlich verhalten sich Finanzprofis und Kleinanleger. Zurzeit ist nicht absehbar, wie sich die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU entwickeln werden. Zwar ist London ein wichtiger Umschlagsplatz für Edelmetalle. Allerdings erfolgt die Notierung in US-Dollar und nicht in britischen Pfund. Durch den Brexit würde sich daran nichts ändern, glaubt Thomas Weiß, Leiter Vertrieb & Edelmetall-Services von Agosi.

Einer der bedeutsamsten Rückzugsorte in unwägbaren Zeiten sind Anleihen von Staaten, die als wirtschaftlich stabil und finanziell solide gelten. Dazu zählen in erster Linie die weltgrößte Volkswirtschaft USA sowie Deutschland. Aber nicht nur die Kreditwürdigkeit zählt – wichtig ist auch, dass die jeweiligen Märkte groß sind. Denn nur so ist sichergestellt, dass die Anlagen rasch und unkompliziert wieder zu veräußern sind, wenn sich der Finanzsturm legt. Das trifft auf die Anleihemärkte der USA und Deutschlands zweifelsfrei zu, zählen sie doch zu den größten der Welt.

Die Nachfrage nach Staatsanleihen ist so hoch, dass die Wertpapierkurse immer weiter steigen. Das hat dazu geführt, dass die Renditen für deutsche Bundesanleihen mit Laufzeiten von 15 Jahren negativ sind. Nicht nur Staatsanleihen, auch Währungen können als Schutz vor großen Risiken dienen. Zu den begehrtesten Devisen zählen neben der Weltreservewährung US-Dollar der Schweizer Franken. Der Volkswirtschaft der Eidgenossen und ihrer finanziellen Situation wird sehr großes Vertrauen entgegengebracht – doch die Schweizer Wirtschaft leidet unter dem starken Franken.