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Testweise bereits auf US-Straßen unterwegs: Googles selbstfahrendes Auto. Sokolow
Testweise bereits auf US-Straßen unterwegs: Googles selbstfahrendes Auto. Sokolow
20.05.2016

Google will den Alltag technologisch revolutionieren

Mountain View. Das Verhältnis von Mensch und Technik steht vor dem nächsten Umbruch: Gerade erst brachten Smartphones das Internet und die Leistung eines Supercomputers direkt an die Fingerspitzen, jetzt ist künstliche Intelligenz auf dem Weg, allgegenwärtig zu werden.

Google will der Vorreiter dieser Revolution sein. Das machte die diesjährige Entwicklerkonferenz Google I/O unmissverständlich klar. Üblicherweise stand dort die nächste Version des Smartphone-Systems Android im Mittelpunkt, vielleicht noch ein markantes Überraschungs-Produkt wie die – letztlich gescheiterte – Datenbrille Google Glass. Diesmal gab es vor allem eine Vision: Google als Helfer im Alltag, immer zur Stelle, immer die richtige Antwort parat. Google in allen Dingen.

Auf dem sonnendurchfluteten Festival-Gelände neben seinem Hauptquartier demonstrierte Google, wie sich die ersten Bausteine für diese neue Welt zusammensetzen. Der smarte „Assistant“ versteht menschliche Sprache und erfüllt Aufträge, der vernetzte Lautsprecher „Google Home“ ist sein Vorposten im Haushalt. Im Messenger Allo schlägt die künstliche Intelligenz die passende Antwort vor, im Hintergrund liefert ein von Google eigens für selbstlernende Maschinen entwickelter Chip die Rechenleistung. Und nur wenige Schritte weiter fahren Googles Roboter-Wagen auf den Straßen von Mountain View, gesteuert von Software, die ihre Umgebung versteht.

„Der nächste große Schritt wird sein, dass das Konzept eines ,Geräts’ sich auflöst. Mit der Zeit wird der Computer – welche Form auch immer er annehmen wird – zu einem intelligenten Assistenten, der Sie durch den Tag führt“, schrieb Google-Chef Sundar Pichai bereits in einem Blogeintrag Ende April. „Google treibt den Wandel vom Mobil-Computer voran zu einem, der den Alltag durchdringt und den Nutzer umgibt“, so Analyst Geoff Blaber von CCS Insight. Auch Facebook, Microsoft und Amazon forschen an künstlicher Intelligenz, Apple lässt seine Siri mit iPhone-Nutzern reden.

„Für uns ist das eine Evolution von Google selbst“, sagte Pichai dem Magazin „Forbes“. Der Wandel werde viele Jahre dauern. Pichais Plan ist auch, die Kapazität der selbstlernenden Maschinen anderen zur Verfügung zu stellen – so wie Amazon seine Rechnerkapazitäten vermietet. „Stellen Sie sich vor, all die vielen, vielen Teams könnten bei Problemen, an denen sie arbeiten, auf maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz zugreifen.“ Er denke an Gesundheitswesen, Finanzbranche, Bildung oder Klimaforschung.

Ständige Begleiter

Für Google könnte der Wandel auch ein Umdenken beim Geschäftsmodell bedeuten. Heute kommt der Großteil des Geldes aus Online-Werbung, vor allem im Umfeld der Internet-Suche. Pichai selbst beteuert, Google mache sich noch keine konkreten Gedanken darüber, wie man in einer Welt mit dem sprechenden Assistenten Geld verdienen wolle.

Allerdings ergeben sich aus der neuen Welt Fragen des Datenschutzes.Wenn etwa der Computer wissen soll, ob bei einer Suchanfrage nach „Curry“ der Basketball-Spieler Steph Curry oder ein Curry-Gericht gemeint ist, muss er die Vorlieben des Nutzers kennen. Die Mikrofone eines „Home“-Lautsprechers müssen ständig an sein, um die Ansprache mit „Okay, Google“ nicht zu verpassen. Zu Bedenken wegen der Macht künstlicher Intelligenz sagte Pichai, die Technologie-Branche müsse mit Bedacht vorgehen und dafür sorgen, dass künstliche Intelligenz den Menschen helfe.