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Anerkennende Worte für Dieter Eggert (Mitte) fanden der ehemalige Automobilpräsident Patrick Blain (von links), Schwiegersohn Stephan Loth und Tochter Maren Loth, geborene Eggert, Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer und Unternehmer Hans Belling. Foto: Meyer
Anerkennende Worte für Dieter Eggert (Mitte) fanden der ehemalige Automobilpräsident Patrick Blain (von links), Schwiegersohn Stephan Loth und Tochter Maren Loth, geborene Eggert, Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer und Unternehmer Hans Belling. Foto: Meyer
12.09.2018

Güldner- Chef Dieter Eggert in den Ruhestand verabschiedet

Remchingen. Am Elektroauto führt kein Weg vorbei – doch keiner weiß, wie groß der Anteil des Verbrennungsmotors an der Mobilität der Zukunft sein wird.“ Das sagt einer, der es wissen muss: Patrick Blain, früherer Vizepräsident des Autokonzerns Renault Nissan und Präsident des Weltautomobilverbands.

Am Dienstag weilte der Franzose in Wilferdingen zur Verabschiedung seines Schulfreuds Dieter Eggert, Chef des Werkzeugspezialisten Güldner, der nach 40 Jahren als Geschäftsführer ausschied. Blain kann sich durchaus vorstellen, dass Elektroautos der Zukunft vielleicht auf Algenbasis angetrieben werden und nicht mehr mit Lithium-Ionen-Batterien. Das sei nur eine Zwischenlösung, um die Klimaziele zu erreichen. In Chinas Metropolen gebe es aus Umweltgründen keine Alternative zum Stromer, betont Blain. Als Vertriebschef schickte er den Renault ZOE ins Elektro-Rennen, das durch den amerikanischen Konkurrenten Tesla zuletzt an Dynamik gewann. Blain und Eggert kennen sich seit 53 Jahre. Sie hatten sich im Rahmen eines deutsch-französischen Schüleraustausches kennengelernt. Die herzliche Freundschaft hält bis heute – ebenso jene mit Ingo Kramer, der im Jahr 2013 Dieter Hundt als Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) ablöste. Auch Kramer ließ es sich gestern nicht nehmen, ein Grußwort auf seinen früheren Karlsruher Studienkameraden zu halten. Zuvor brach er eine Lanze für die konsequente Ausbildung junger Menschen als dringend benötigte Fachkräfte von morgen. Eggert habe eine große Gabe – nämlich das Zuhören.

„Mit seine Freunden ist er ganz ohne Facebook immer in Verbindung“, ergänzte Tochter Maren Loth. Auch Navigationssysteme und Taschenrechner habe der Firmenchef nicht benötigt.

„Der Lotse geht von Bord“, das Motto der Einladung zur Veranstaltung, nahm IHK-Ehrenpräsident Burkhard Thost auf. Im Gegensatz zum berühmten Vorbild – Reichskanzler Otto von Bismarck – verlasse der Lotse der Firma Güldner Werkzeuge das Schiff mit einer gut geordneten Kommandobrücke – darauf Tochter Maren und Schwiegersohn Stephan Loth als Geschäftsführer.

Remchingens Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon würdigte den Mut und das Verantwortungsbewusstsein des scheidenden Wilferdinger Unternehmers und bekennenden Seefahrers. „Wer den Hafen nicht kennt in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige“, zitierte Prayon den römischen Philosophen Seneca.

Mit seinen alten Studienfreunden will Eggert künftig auch längere Segelturns unternehmen. Zudem will sich der Unruheständler intensiver um Menschen in Seenot bemühen. Er engagiert sich als einziges Baden-Württemberg-Mitglied in der beschlussfähigen Versammlung der Deutschen Gesellschaft für die Rettung Schiffbrüchiger, wo wiederum Arbeitgeberchef Ingo Kramer im Vorstand tätig ist.

Geboren im niedersächsischen Bad Beversen nahe Uelzen wuchs Eggert, in einer Spirituosenmanufaktur auf. Als sich sein Bruder für die Übernahme entschied, zog es das Nordlicht zum Wirtschaftsingenieur-Studium nach Karlsruhe, wo er auch seine Frau Kristina Güldner kennenlernte. Aus der kleinen Werkzeughandlung mit vier Beschäftigten formte Eggert ein innovatives Dienstleistungsunternehmen mit 35 Mitarbeitern.