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Der fliegende Schneider von Ulm stand bei dieser Attraktion im Erlebnispark Tripsdrill Pate. Foto: Erlebnispark Tripsdrill
Der fliegende Schneider von Ulm stand bei dieser Attraktion im Erlebnispark Tripsdrill Pate. Foto: Erlebnispark Tripsdrill
15.08.2018

Gutes Geschäft mit dem Nervenkitzel: Millionen Gäste suchen in Freizeitparks das Abenteuer

Rust. Auf der Achterbahn weht zwar immer ein frisches Lüftchen. Die richtig heißen Sommertage mögen die Betreiber der großen Freizeitparks in Europa trotzdem nicht so gern. Denn wenn die Sonne brennt, ist die Konkurrenz groß: Freibad, Badesee, Strand. „Die Besucherzahlen sind derzeit einen Ticken verhaltener, weil es so warm ist“, sagt eine Sprecherin von Deutschlands Freizeitpark-Riesen, dem Europapark Rust. Möglich, dass ausgerechnet das heiße Wetter einen Dämpfer in der diesjährigen Bilanz hinterlässt.

Millionen Gäste suchen in Europas Freizeitparks jedes Jahr ein kleines Abenteuer – nach einigen Krisenjahren brummt das Geschäft mit dem Nervenkitzel wieder. Besucherzahlen sind die Währung, die zählt. Nach Angaben des Branchenverbands IAAPA verkauften die 307 Themen- und Vergnügungsparks auf dem Kontinent mit ihren Achterbahnen, Shows und Wasserrutschen zuletzt jährlich rund 150 Millionen Tickets. Sie machten einen Umsatz von fast fünf Milliarden Euro und beschäftigten mehr als 50 000 Menschen. Einer der ältesten Parks weltweit, der Tivoli in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen, feiert gerade seinen 175. Geburtstag. Jeden Tag zieht eine große Parade durch den Park. Trotz heißer Sommertage seien die Besucherzahlen in diesem Jahr überraschenderweise nicht eingebrochen, sagt Sprecherin Ellen Dahl. „Gerade läuft es richtig gut.“ Das kann auch daran liegen, dass das Geld in Dänemark derzeit locker sitzt. Freizeitparks wie der Tivoli spürten konjunkturelle Auf- und Abschwünge – bevor sie den großen Instituten auffielen, sagt Dahl. Auch weltweit sind Freizeitparks im Aufwind: Nach Angaben des Verbandes TEA wuchsen die Besucherzahlen im Schnitt um gut 8,6 Prozent, vor allem dank einer sprunghaften Entwicklung in China. Doch auch die 20 größten europäischen Parks legten im Schnitt um 3,4 Prozent zu.

Die weltweit größte Freizeitpark-Destination bleibt Florida. Hier lockt allein Weltmarktführer Disney World jedes Jahr mehr als 20 Millionen Besucher an. Der Europapark in Rust – in Europa immerhin zweitgrößter Park – liegt im weltweiten Vergleich mit rund 5,7 Millionen Besuchern lediglich auf Rang 21, der Tivoli mit 4,6 Millionen knapp dahinter. Klein aber fein präsentiert sich dagegen der Erlebnispark Tripsdrill im Landkreis Heilbronn mit knapp 750 000 Besuchern im Jahr.

Auch sonst unterscheidet sich der Tivoli mit seiner 175-jährigen Geschichte von anderen Parks. Er liegt mitten in der dänischen Hauptstadt, direkt neben dem Rathaus – mit dem Vorteil, dass fast jeder Tourist einen Besuch einplant und dem Nachteil, dass er nicht expandieren kann.