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Handwerk hat auch in der Krise goldenen Boden, allerdings gehen die Aufträge teilweise deutlich zurück.  Foto: Adobe Stock 

Handwerk befürchtet Pleitewelle: Situation in Pforzheim und Enzkreis zwischen Hoffen und Bangen

Pforzheim/Berlin. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hat in der Corona-Krise schnelle Hilfen bis zum Monatsende gefordert - sonst gingen viele Betriebe pleite. „Wenn es nicht gelingt, dass die Gelder und Zuschüsse noch vor Ablauf des März bei den Betrieben ankommen, droht das Hilfsunterfangen der Bundesregierung zu scheitern“, sagte Wollseifer am Dienstag in Berlin. „Wir befinden uns in einem Wettlauf gegen die Zeit, bei dem es um nicht weniger geht als die weitere Existenz und den Fortbestand von Tausenden Betrieben und Arbeitsplätzen. Für viele Betriebe im Handwerk ist es inzwischen eine Frage von Tagen, ob sie es schaffen, zu überleben oder ob sie pleitegehen.“

Wollseifer sagte weiter: „Schon in der nächsten Woche stehen bei vielen Unternehmen die Lohnzahlungen an, für die liquide Mittel gebraucht werden.“ Deshalb sei es dringend geboten, dass der Hilfsmittelfluss von allen daran Beteiligten ganz schnell in Gang gesetzt werde - damit nicht schon in der kommenden Woche viele Betriebe für immer ihre Türen schließen müssten.

„Die Situation im regionalen Handwerk ist ganz unterschiedlich“, betonte dagegen Mathias Morlock, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Pforzheim/Enzkreis. Viele der Innungsbetriebe seien von der Corona-Krise hart getroffen, bei anderen laufe der Geschäftsbetrieb weitestgehend normal. Während etwa Friseure geschlossen haben, seien Bäcker und Fleischer in der Nahversorgung besonders gefordert.

Der Verkauf von Autos und Elektrogeräten durch Handwerksbetriebe sei zwar gestoppt, doch der Service werde weiterhin aufrecht erhalten.  „Am Wochenende gab es viele Notrufe im Sanitärbereich“, berichtete Morlock. Toiletten und Abflüsse waren verstopft. „Auch die Kfz-Meisterbetriebe freuen sich, wenn Sie jetzt ihr Auto zum Kundendienst bringen.“

 Kurzarbeit sei leider auch im Handwerk plötzlich ein zentrales Thema, das habe es seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gegeben. Aus Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus hätten einige Privatleute vereinbarte Termine mit Handwerksbetrieben im häuslichen Bereich abgesagt oder verlegt. Im Metallbau laufe es noch normal. Das gelte auch für das Bauhandwerk. Andere Gewerke verzeichneten Ausfälle zwischen null und 100 Prozent. Allerdings sei das Antragsverfahren sehr kompliziert, klagte der Kreishandwerks-Geschäftsführer.

Ob das großzügige Bürgschafts- und Kreditangebot von Bund und Land in den Betrieben genutzt werde, bleibe abzuwarten. „Die Handwerksbetriebe brauchen schnell finanzielle Unterstützung und keine zusätzlichen Kredite, die sie irgendwann zurückzahlen müssen.“

Die Bundesregierung hatte neben direkten Zuschüssen für kleine Firmen, die keine Kredite erhalten und nicht über Sicherheiten verfügen, auch ein unbegrenztes Kreditprogramm für Unternehmen über die staatliche Förderbank KfW beschlossen. Damit soll über die Hausbanken Liquidität gesichert werden. Die KfW haftet mit bis zu 90 Prozent bei Betriebsmitteln und Investitionen. Banken und Sparkassen rechnen mit einer Flut von Kreditanträgen und sagen eine schnelle Bearbeitung zu, erste Kredite seien bereits ausgezahlt worden, heißt es.Wollseifer betonte, für die betroffenen Betriebe zähle nicht, was auf dem Papier versprochen oder in Aussicht gestellt werde, sondern was konkret bei ihnen ankomme. „Das muss deutlich schneller und unbürokratischer ablaufen als zurzeit“, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks: ein entscheidender „Flaschenhals“ seien in diesen Tagen die Hausbanken. „Viele Betriebe klagen darüber, dass die Antragsverfahren dort weiter ablaufen, als gäbe es keine Extremsituation.“ Das müsse sich ändern. 

„Auf sonst übliche Abfragen mehrmonatiger Liquiditäts- und Umsatzplanungen eines Betriebes muss verzichtet werden, da sie momentan ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit sind“, sagte Wollseifer