3M Studie: Kaum finanzielle Anreize und wenig Interesse
Von den Vorzügen einer handwerklichen Ausbildung müssen viele junge Menschen in Deutschland erst überzeugt werden.  Foto: 3M Deutschland GmbH 

Handwerk fehlt die Lobby: Nur 28 Prozent ziehen handwerkliche Laufbahn in Betracht

Frankfurt/Pforzheim. Ob beim Einbau von Wärmepumpen, klimaeffizienten Sanieren von Wohnungen oder Hausbau: Handwerker hierzulande sind meist knapp oder gar nicht zu bekommen. Trotzdem ziehen in Deutschland im internationalen Vergleich nur relativ wenige Menschen einen Handwerksberuf in Betracht. Die Branche wird hierzulande vor allem hinsichtlich Gehaltschancen schlechter betrachtet als in anderen Ländern, heißt es in einer repräsentativen Studie des US-Mischkonzerns 3M. Nur zehn Prozent der Befragten sind in Deutschland in einem Handwerksberuf tätig und 18 weitere Prozent haben jemals über eine Laufbahn in der Branche nachgedacht, zeigt das am Montag veröffentlichte Papier. Das ist demnach der niedrigste Wert aller 17 untersuchten Länder.

Fast drei Viertel der Befragten (72 Prozent) gaben an, sie seien nicht im Handwerk tätig und hätten auch nicht darüber nachgedacht, dort eine Laufbahn anzustreben. In Frankreich etwa waren es 56 Prozent. Zudem glauben nur 49 Prozent der Befragten in Deutschland, dass sie mit einer solchen Ausbildung ähnlich gut verdienen könnten wie mit einem Beruf, der ein vierjähriges Universitätsstudium erfordert – 14 Prozent stimmen dem voll zu und 35 stimmen eher zu. Auch das sei der niedrigste Wert unter den betrachteten Ländern, hieß es. Global waren es zusammen 71 Prozent.

Dabei fehlt es offenbar nicht an der Wahrnehmung von Chancen im Handwerk: 87 Prozent der Befragten sehen in der Branche viele Jobmöglichkeiten, das sind etwas mehr als im weltweiten Schnitt. 53 Prozent gaben aber an, sie verfolgten andere berufliche Interessen. 20 Prozent bezweifelten, dass sie damit genug Geld verdienen würden. Für die Studie von 3M wurden im Auftrag des Marktforschers Ipsos in 17 Ländern jeweils rund 1000 Menschen befragt – darunter Deutschland, Frankreich, die USA, Großbritannien, Brasilien, Indien und Mexiko. Die Daten wurden zwischen September und Dezember 2021 erhoben.

Offene Ausbildungsplätze

In den nächsten Tagen beginnt für 2161 Jugendliche in den vier Land- und drei Stadtkreisen im Bereich der Handwerkskammer Karlsruhe, darunter auch Pforzheim und der Enzkreis, ein neuer Lebensabschnitt: Sie starten in eine Berufsausbildung. Die Zahl der bislang neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Bezirk der Handwerkskammer Karlsruhe liegt Ende August zwei Prozent unter dem Vorjahr (2208). Mit Sorge vermerkt Präsident Joachim Wohlfeil, dass bislang noch über 340 Ausbildungsstellen unbesetzt sind. Im Bezirk gibt es mehr als 6000 Lehrlinge im Handwerk.

Mit Material von Alexander Sturm
Lothar Neff

Lothar Neff

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