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Kammerpräsident Joachim Wohlfeil, Hauptgeschäftsführer Gerd Lutz und Hans-Günter Engelsberger (von links).
Kammerpräsident Joachim Wohlfeil, Hauptgeschäftsführer Gerd Lutz und Hans-Günter Engelsberger (von links).
19.02.2016

Handwerkerbetriebe sind gut ausgelastet

Eigentlich könnten die Männer in den dunklen Anzügen zufrieden sein. Die Geschäfte laufen gut, wie die Chefs der Handwerkskammer Karlsruhe beim Pressegespräch am Donnerstag im Haus des Handwerks in der Pforzheimer Außenstelle erläuterten. Grüne Balken in den Schaubildern machen deutlich, dass das Handwerk auch in der Region goldenen Boden hat. „92,1 Prozent der Betriebe beurteilen die Geschäftslage mit gut oder zufriedenstellend“, erläutert Kammerpräsident Joachim Wohlfeil.

Lediglich 7,9 Prozent der knapp 19.000 Handwerksunternehmen beurteilen ihre Lage als schlecht. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten die Betriebe einen Umsatz von zwölf Milliarden Euro, das war ein Plus von zwei Prozent. „Das erwarten wir auch für das laufende Jahr.“

In Pforzheim gab es zum Jahreswechsel 1448 Handwerksbetriebe (minus zehn), im Enzkreis 2713 (minus vier). Doch während die meisten Unternehmen gut ausgelastet sind, lässt die Entwicklung der Lehrlingszahlen zu wünschen übrig. Mit 2449 neu eingetragenen Ausbildungsverträgen (23,7 Prozent weiblich) konnte der rückläufige Trend im vierten Jahr in Folge im Kammerbezirk nicht gestoppt werden, bedauert Wohlfeil. Die gefragtesten Ausbildungsberufe im Handwerk waren Kfz-Mechatroniker (291), Elektroniker (200), Anlagenmechaniker (171), Maler- und Lackierer (156) sowie Friseure (162).

In Pforzheim sinken die Lehrlingszahlen im Handwerk seit Jahren. Begannen 2008 noch 320 junge Schulabgänger eine Ausbildung, waren es im vergangenen Jahr nur noch 235. Im Enzkreis wurden 2007 noch 371 neue Lehrlinge gezählt, zuletzt waren es nur noch 288. Im Landkreis Calw geht es seit vier Jahren wieder leicht bergauf – von 278 im Jahr 2012 auf 301. Um mehr Azubis zu generieren, setzt die Handwerkskammer Karlsruhe auf die Pforzheimer Ausbildungsmesse im CCP, die am Samstag (9 bis 14 Uhr) stattfindet. „Die Berufsorientierung muss schon in der Schule beginnen“, fordert Wohlfeil.

Knapp ein Drittel der Unternehmer sind älter als 55 Jahre. „Damit stehen in den nächsten zehn Jahren über 6000 Betriebe zur Übergabe an“, gibt der Kammerpräsident zu bedenken. Zudem scheitern fast 60 Prozent der zulassungsfreien und handwerksähnlichen Neugründungen (also mit Inhabern ohne Meisterbrief) in den ersten fünf Jahren. Neben handwerklichem Können komme es eben auch auf die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse an, ergänzt Wohlfeil. Einen regelrechten Boom gab es in den vergangenen Jahren bei Fliesenlegern, Kosmetikern und Gebäudereinigern – allerdings seien viele Betriebe wieder vom Markt verschwunden, ergänzt der Kammerpräsident.