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Erforschen Produkt-Dienstleistungskombinationen, Digitalisierung und Wissenstransfers in die Praxis (von links): Rebecca Bulander, Professorin an der Hochschule Pforzheim, die wissenschaftlichen Mitarbeiter Alexander Richter und Lukas Waidelich sowie Professor Bernhard Kölmel.  Warzecha
Erforschen Produkt-Dienstleistungskombinationen, Digitalisierung und Wissenstransfers in die Praxis (von links): Rebecca Bulander, Professorin an der Hochschule Pforzheim, die wissenschaftlichen Mitarbeiter Alexander Richter und Lukas Waidelich sowie Professor Bernhard Kölmel. Warzecha
28.11.2017

Hochschule Pforzheim entwickelt für Firmen Produkt-Service-Systeme

Die Digitalisierung hat längst in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) Einzug gehalten. Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unterstützt Initiativen, die diese Betriebe in ihrer Digitalisierungsstrategie unterstützen.

Eine solche ist das Förderprojekt „Use-PSS – Usability betrieblicher Produkt-Service-Systeme im Mittelstand“, in dem sich das Team der Hochschule Pforzheim rund um Bernhard Kölmel, Professor im Fachgebiet Global Process Management an der Hochschule Pforzheim und Mitglied der Ethik-Kommission der Europäischen Kommission, engagiert. „Wir bieten Unternehmen ein Set an Methoden zur Entwicklung von Produkt-Service-Systemen (PSS) an. Damit helfen wir ihnen dabei, innovative Produkt-Dienstleistungsangebote zu entwickeln“, sagt Alexander Richter, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team von Kölmel.

Das Projekt der Hochschule Pforzheim stand im Zentrum der Veranstaltung „Chancen der digitalen Transformation im Unternehmen nutzen“, das im Stuttgarter Steinbeis-Haus stattfand. Zusammen mit dem Veranstalter, dem Stuttgarter Unternehmerverband bwcon sowie politischen Ehrengästen diskutierten die Referenten Bernhard Kölmel und Matthias Dietel, freier Mitarbeiter des Steinbeis Innovationszentrums 2 Digital Business, mit den Unternehmern darüber, wie Digitalisierungsstrategien in der unternehmerischen Praxis gelingen können. Die größte Herausforderung sei dabei gerade die hybride Mischung aus konkret physischem Produkt und einem ergänzenden Service, der sich den Kundenbedürfnissen anpasst, so Dietel. Oft sei man in den mittelständisch geprägten Firmen aber noch viel zu stolz auf physische Produkte wie Taschenmesser, Fernseher und andere. Dietels Appell an die Teilnehmer: „Die physischen Gegenstände finden sich jetzt alle auf Ihrem Smartphone. IT und Digitalisierung schlägt physische Gegenstände.“

Ein weiterer Fallstrick in der Praxis ist laut Dietel das sogenannte FANG-Prinzip. Es geht zurück auf die Anfangsbuchstaben der Internetriesen Facebook-Amazon-Netflix-Google. Dietels Kritik: Mittelständler dürften nicht den Internetunternehmen nacheifern und einfach vom Analogen aufs Digitale umschalten. Grund: „Die Wertschöpfung dieser Firmen war schon von Anfang an auf die eines digitalen Unternehmens ausgerichtet.“

Positiv erwähnte Dietel beispielsweise die Autobranche in Stuttgart, deren „Digitalisierungsstrategie gut funktioniert“ oder den Schuh mit Chip eines Betriebes, das die Anzahl der Schritte misst und Bescheid gibt, ob man zu müde war, eine bestimmte Strecke zurückzulegen. Sein Appell an Unternehmer und solche, die es werden wollen: Schon in den Schulen sollte das Fach Informatik gelehrt werden; mehr Studenten sollten in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) studieren.

Auch Professor Kölmel rät den Betrieben dazu, sich auf den Servicebereich zu konzentrieren. Das bedeutet konkret: Nicht mehr das Produkt, sondern der Nutzen, den der Kunde am Ende hat, sollte im Zentrum der Produktplanung stehen. So können durch den Einbau einzelner technischer Geräte zum Beispiel Wartungszeiten bei Heizungen verkürzt werden.