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Referiert über den Einsatz von optische Messverfahren: Jürgen Bauer, Professor für Qualitätsmanagement und industrielle Messtechnik Hegel 

Hochschule stellt moderne optische Verfahren vor

Pforzheim. Wie vermisst man in der Industrie eigentlich winzige Teile, die nur halb so dick sind wie ein menschliches Haar? Über moderne Verfahren in der Vermessungstechniken sprach am Donnerstag Professor Jürgen Bauer von der Hochschule Pforzheim mit Experten großer Industriekonzerne in der Reihe „Industrie trifft Hochschule“.

Da gibt es zum Beispiel das Weißlichtinterferometer. Was sperrig klingt, ist gegenüber dem herkömmlichen Koordinatenmessgerät ein riesiger Fortschritt. Die Maschine kommt ganz ohne Kontakt zum Messobjekt aus – bis in den Mikrobereich können über Licht exakte Messergebnisse erzielt werden.

Eingesetzt werden Geräte wie dieses bisher nur bei den ganz Großen der Industrie – beispielsweise bei Bosch. Abteilungsleiter und Vermessungsexperte Jochen Strähle erläuterte anhand von Autoteilen, in welchen Bereichen des schwäbischen Konzerns die neuen Vermessungsverfahren bereits zum Einsatz kommen. „Auf der Strecke von Stuttgart nach München erfährt eine Diesel-Einspritzdüse eine Million Schaltzyklen. Das entspricht einem Verschleiß von einer Atomlage.“ In anderen Worten heißt das: Die Größenordnung befindet sich im Bereich von einem Nanometer (eine milliardstel Meter). „Da sprechen wir vielleicht von einer halben Haaresbreite“, sagt Strähle. Mithilfe der sogenannten optischen Messverfahren kann die Stabilität der Fertigungsteile nach den Testläufen genauer bestimmt und gegebenenfalls verbessert werden.

Im Bereich der Medizintechnik kann diese neue Technologie sogar Leben retten, wenn beispielsweise der Verschleiß eines Bandscheibeneinsatzes genau ermittelt werden kann, bevor sich das Material im Körper einlagert.

Doch Genauigkeit hat ihren Preis. „Ich habe mich auch mal nach so einem Gerät erkundigt“, erzählt der Professor für Qualitätsmanagement und industrielle Messtechnik, „aber 600.000 Euro waren dann doch zu viel.“ Für große Konzerne eine Investition – für viele mittelständische Betriebe leider noch unerschwinglich.