nach oben
Die Arbeitnehmer tragen etwas mehr als die Hälfte der Sozialkosten. Foto: dpa
Die Arbeitnehmer tragen etwas mehr als die Hälfte der Sozialkosten. Foto: dpa
27.07.2017

Höhere Sozialabgaben drohen

Berlin. Vor allem die hohen Sozialabgaben machen die Arbeit hierzulande teuer. Und die zunehmende Alterung der Gesellschaft belastet die Sozialsysteme zusätzlich – auch bei langfristig moderatem Wirtschaftswachstum.

Wo steht Deutschland international bei den Abgaben?

Deutschland zählt bei der Steuern- und Abgabenlast zusammen zu den Spitzenreitern. So musste nach Berechnungen der Industrieländerorganisation OECD ein lediger Angestellter im vergangenen Jahr im Schnitt 49,4 Prozent seines Bruttolohnes an den Staat abliefern. Im Kreis der 35 OECD-Länder rangiere Deutschland damit auf dem zweithöchsten Platz nach Belgien. Das liege vor allem an den relativ hohen Sozialabgaben, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber tragen – die Arbeitnehmer inzwischen etwas mehr als die Hälfte. Vor zehn bis 20 Jahren lag die Sozialabgabenquote noch deutlich über 40 Prozent des Bruttoarbeitslohnes. Zur Zeit gehen 39,95 Prozent für Renten-, Kranken- und Pflege- sowie Arbeitslosenversicherung weg.

Was passiert, wenn die Quote deutlich steigt?

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) meinte im Frühjahr: „Die Abgabenlast für die Wirtschaft ist vertretbar, sie sollte aber auch nicht steigen.“ Zuletzt war es Konsens zwischen Wirtschaft und Politik, nicht über die 40-Prozent-Marke zu kommen. Der Arbeitgeberverband BDA zitiert eine Prognos-Studie, wonach ein Anstieg der Sozialbeiträge um einen Prozentpunkt den Verlust von rund 90 000 Arbeitsplätzen bedeute. Und nach den Prognos-Berechnungen steigt der Gesamtbeitrag für die vier zentralen Sozialversicherungen bis 2040 auf 48,8 Prozent, wenn es keine gesetzlichen Eingriffe gibt. Gibt es Eingriffe bei der Rente, könnten sie sogar auf 55,5 Prozent zulegen. Damit drohe ein massiver Verlust an Arbeits- plätzen.

Warum steigt trotz guter Konjunktur und Job-Rekord das Sozialbudget?

Hier schlagen jetzt schon Mehrausgaben für höhere Renten an mehr Ruheständler und mehr Kassenausgaben für medizinische Leistungen zu Buche. 2016 gab der Staat nach dem aktuellen Sozialbericht 918 Milliarden Euro für Sozialleistungen aus – ein Plus von rund 33 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Dieser Zuwachs fällt tatsächlich etwas höher aus als das Konjunktur-Plus. Bis 2021 könnten die Sozialausgaben auf rund 1,1 Billionen Euro klettern.

Woher kommt das Geld für wachsende Sozialleistungen?

Von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sowie den Steuerzahlern. Nimmt die Zahl der Erwerbstätigen ab, wird es schwierig, das ohnehin nicht allzu üppige Wirtschaftswachstum zu halten. Zugleich steigt der Anteil der Ruheständler. Mit der Konsequenz, dass immer weniger Arbeitnehmer für immer mehr Rentner und Pensionäre zahlen müssen.

Hat die Politik schon reagiert?

Vor allem unter der rot-grünen Koalition wurden Reformen auf den Weg gebracht, um die langfristige Finanzierung der Sozialsysteme zu sichern und die Wirtschaft nicht zu überfordern – letztlich, um Jobs zu sichern. Mit der schrittweisen Anhebung des Rentenalters unter Schwarz-Rot auf 67 Jahre verschaffte sich die Politik bei der Finanzierung der Rentenkassen etwas Luft.